selbstmord durch verhungern?
der tote da in Speyer: ich habs im radio gehört. daß er depressiv war und seine mutter vermutlich auch, das haben sie nicht gesagt, das hab ich mir sofort gedacht.
und mich gewundert, daß keine/r was sagt. aber doch, ein paar bloggerinnen sagen was: Jens Bertrams beschreibt die angst und unfähigkeit in depressiven phasen, mit post und briefkasten “normal” umzugehen. (via moving target)
A. fragte sich auch sofort: warum haben die denn nichts gesagt? ich hab das nicht gefragt. ich kann mir vorstellen, wie es soweit kommen kann. und ich finde es mutig, daß Jens Bertrams das einfach mal so hinschreibt. ja, ich auch. bisher haben mich glücklicherweise tabletten, die liebe oder ein job “gerettet”. aber ich kann sehr gut nachvollziehen, daß ein mensch einfach so wegrutschen kann. nach unten durch und da gibts kein zusammenreißen mehr.
er ging dabei von diesem beitrag von mein-parteibuch aus, wo ich vor allem die kommentare beachtenswert finde: eine diskussion von “niemand muß in deutschland verhungern” über “das war mord” bis hin zu “bürgergeld!”. richtig ins detail geht die diskussion bei unkreativ: da kommen wirklich mal zahlen auf den tisch die zeigen: hartz4 ist entwürdigend, dient nur der wirtschaft (und zwar ausschließlich, nicht den menschen und das wort “sozialstaat” können wir demnächst beim duden zur löschung freigeben) und für menschen, die nicht komplett “normal” so funktionieren, wie sie sollen, gibt es genügend große löcher, um locker mit der ganzen familie durchzufallen.
ich bin für vielfalt. zu dieser vielfalt gehört nicht nur die genialität der depressiven und psychisch kranken (Hemingway, Woolf, van Gogh…), sondern auch deren/unsere unfähigkeiten. oder die andersfähigkeit. was ist denn bitte normal? vom tellerwäscher zum millionär? in d. nicht möglich. vom tellerwäscher in die gosse: na klar. “Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen!” (Müntefering lt. parteibuch)
ziehen wir mal die sogenannten sozialschmarotzer von der arbeitslosenzahl ab: da bleiben welche übrig. es gibt einfach mal nicht genügend arbeit in dem system, wie es bisher ist und wie es ausgebaut wird.

11 kommentare on “selbstmord durch verhungern?”
Oliver schrieb am 25.04.'07 um 19:02:
Wir sagten auch etwas und zwar direkt als wir davon hörten und bekamen auch die ersten Reaktionen dazu - zu Hartz4 allgemein sagen wir schon was seit den glorreichen Forum Zeiten … aber dieses Thema ist selbst bei den “anderen”, also jenen die oft den Staat kritisieren, doch recht verpönt. Klar Hartz4 tam tam, alles shayze … aber wenns ans Eingemachte geht verzieht man sich mit eingekniffenem Schwanz. Wir sagens direkt, das schreckt einige ab, allerdings darf man schlechte Dinge auch nicht schön umschreiben.
>ziehen wir mal die sogenannten sozialschmarotzer von der arbeitslosenzahl ab
Da liegt der Denkfehler, da gibts kaum was abzuziehen. Tatsächlich schwarze Schafe gibts überall, die Tricksereien beginnen schon bei den Steuern und wie man dem Staat durch die Fänge schlüpfen kann. Sozialschmarotzer können sich da viele ankleben lassen.
http://www.fixmbr.de/pech-gehabt-buerokraten-waren-am-werk/
Und ich gehe lieber von 100% Bedürftigen blauäugig aus, als jemanden falsch zu verdächtigen.
blue schrieb am 25.04.'07 um 19:18:
schulligung, (daß der pantoffelpunk getrackbacked hat, sagt mir: da bin ich woll mal wieder auf den ‘alles-gelesen-knopf’ gerutscht.
die sozialschmarotzer wollte ich gleich mal abgezogen haben, bevor mir eine/r damit kommt. mit denen, seien es viele oder nicht, gleitet die diskussion nämlich auch immer ab: weg vom eigentlichen thema. wofür sie ja auch da sind. die sozialschmarotzer.
ich persönlich kenne ja keine/n, aber ich kenn etliche, die immer sagen, sie würden etliche kennen.
ans eingemachte – woran denkst du dabei?
Oliver schrieb am 25.04.'07 um 19:32:
Ans Eingemachte ist eigentlich übertrieben, aber mitunter fehlts gerade auf Blogs oft an dem Punkt mal tacheles zu reden, es brutal rauszubrüllen. Sich nach allen Seiten absichern (auch jetzt nicht hier auf dieses Beispiel bezogen), kann ich denn, darf ich das denn den Lesern zumuten ist letztendlich gleich einem Genickschuß von eigener Hand geführt. Man will es sagen, irgendwie störts doch, man bemerkt die Ungerechtigkeit, hat aber Angst von der bösen Meute die da gleich relativieren angebraust kommt und mit unmenschlichen Kommentaren Feuer gibt.
Nun denn, dann tun vielleicht einige doch das richtige, indem sie gar nichts sagen und viele andere eiern auf irgendeiner Zielgerade ohne jemals das gewünschte Ziel zu treffen. Das meine icht damit, kurzum Farbe bekennen, auch wenn man danach geächtet wird.
Die Leute die mit dem Thema Sozialschmarotzer kommen, nehme ich schon gar nicht mehr ernst. Die gibts tatsächlich, vielleicht im Promillebereich, vielleicht weniger - mancheiner wird durch die unglückliche Verquickung diverser Umstände schneller abgestempelt als es ihm lieb ist. Und der Tratsch da draußen, keine Domaine der Frauenwelt, wird auch bei Skatabenden durch die kleine Welt ohne Horizont getragen. Und kennen tue ich auch welche und zwar Arbeitslose, meinereiner wäre sogar für ein staatlich garantiertes Grundeinkommen … aber das ist Träumerei, dazu müßte sich erst die Gesellschaft grundlegend ändern. Man sucht halt immer gerne eine Ausrede, wenns mal nicht so gut geht - Randgruppen sind dazu perfekt geeignet.
blue schrieb am 25.04.'07 um 20:05:
uh. also zu lahm, farblos, konturlos, ja?
)
erstmal: hast schon verstanden, daß ich sie nur erwähnen wollte, damit sie mir eben nicht um die ohren gehauen werden können? (was ja nu doch passiert ist, nur halt andersrum.
und ich bin vorbehaltlos und ohne es träumerei zu nennen, fürs bürgergeld. wie das gehen soll?
aber wer tornados, torpedos (was weiß ich, wie’s gleich wieder heißt…) ausdenken und finanzieren kann, kann auch das durchrechnen. bundeswehr abschaffen, womit auch der zivildienst wegfiele und alle würden’s einsehen: daß es notwendig ist und dann auch finanzierbar.
Oliver schrieb am 25.04.'07 um 21:25:
Wuaah ich red immer allgemein, deswegen klammerte ich es auch ein paar mal ein, weil ich es mir schon dachte das es so rüber kommen könnte
>(auch jetzt nicht hier auf dieses Beispiel bezogen)
;)
>ans eingemachte – woran denkst du dabei?
Aber du wolltest doch diese Frage beantwortet haben, oder? Ich halte dich nicht für farblos, keineswegs, sondern für blau
Nein im erst war nur eine allgemeine Erklärung.
blue schrieb am 25.04.'07 um 21:52:
ja nein, ok. issjaschongut.
blau – lol.
die frage nach dem eingemachten war eher so gemeint: ursachenforschung, wühlen im selbst, eigene meinungen bilden oder aber: lösungen erdenken oder gar präsentieren?
daß es dir um pure klarheit ging… konnt ich ja nicht wissen
Oliver schrieb am 25.04.'07 um 23:34:
Ja Lösungen wären auch gut, aber da fehlen mir die Mittel - allerdings schließt das nicht aus, das man dennoch Fehler im System erkennen kann.
blue schrieb am 26.04.'07 um 0:45:
da bin ich dann magisch-pragmatischer: lösungen suchen, erdenken, träumen und spinnen. für das bürgergeld sind (m. e.) praktikabele lösungsansätze schon längst erdacht. es fehlt am umsetzen. und da halte ich (mitsamt meinem menstruationsblut – sorry, aber ich glaube, sowas ist es auch) entgegen: träume! mach bilder! entwirf traumleben! uns fehlen zum umsetzen mittel? geldmittel: ja. alle anderen: haben wir. (notiz an mich: haben wir! hab ich grad gesagt!) wir müssen uns nur den raum dazu nehmen. oder die macht.
Mein Wa(h)renhaus » Vielen Herzlichen Dank euch allen! schrieb am 26.04.'07 um 19:43:
[…] Rationalstürmer, Moving Target, Krezi, Das Unterschichtenblog, Cecie, Das blaue Mädchen und Truetigger. Dazu natürlich die in meinen vorigen Artikeln schon angesprochenen und mehrfach verlinkten Blogs. Außerdem wurde auf das Thema, was ich sehr interessant fand, in einem Forum für deutschsprachige Muslime bezug genommen. Es hat mir sehr viel Freude gemacht, die Aussprache dort zu verfolgen. […]
wrs schrieb am 01.05.'07 um 17:00:
Irgendwie ist mir nicht klar geworden, was denn nun das Tacheles und Eingemachte war, auf das Oliver hinaus wollte.
“[…] mal tacheles zu reden, es brutal rauszubrüllen” klingt mir so wie “ich bin gerade emotional heftig aufgeladen (manipuliert?) und will alle Wut mit Gewalt loswerden. Jetzt”.
Auch “Sich nach allen Seiten absichern […], kann ich denn, darf ich das denn den Lesern zumuten” spricht dafür.
Ich halte das nicht für schlau. Nicht nur, dass man sich auf diese Weise recht schnell recht heftig in die Nesseln setzt — es bringt einem auch nichts. Nichtsweiter, als seinem Impuls Folge geleistet zu haben. Und nebenbei vielleicht vorhandene Energie verpulvert zu haben. (Reicht die vorhandene Energie mglw. lediglich für so einen kurzen Ausbruch, mehr Puste ist aber nicht drin?)
Und welchen — tschulligung, Hartz-IV-infiziert — Mehrwert hat denn für das Gegenüber — aka Blog-Leser –, wenn da einer seine Wut “brutal rausbrüllt”? — Schön, ich als Leser weiß dann, dass da jemand Wut im Bauch hat. Und? Habe ich manchmal auch, und andere auch. Und?
Wertvoller finde ich da, dass Blogs Links zu Hintergründen, weiterführenden Seiten mitliefern. “Sich nach allen Seiten absichern […], kann ich denn, darf ich das denn den Lesern zumuten” klingt da abwertend bis unangebracht.
Der Verhungerte von Speyer ist noch nicht vergessen. (Hatte er eigentlich einen Namen?) « experimentell schrieb am 01.05.'07 um 22:44:
[…] Der Verhungerte von Speyer ist noch nicht vergessen. (Hatte er eigentlich einen Namen?) 1. Mai, Tag der Arbeit. Heute brauche ich lange, um zweimal durch alle Nachrichten zu kommen. Sehe, dass die Diskussion um den Verhungerten von Speyer, drüben bei unkreativ (und auch sonst in der Blogosphäre), immer noch brennt. — Brennt, weil es mir in Hinblick darauf, Leser zu gewinnen, bisher wie Strohfeuer/Feuer vorkommt, das geschürt werden muss — was sich jetzt nicht auf all die Links da oben bezieht. Ich wollte lediglich die gesichteten/”bearbeiteten” Quellen verlinken.) […]