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archiv für thema 'fingerübungen'

wie es mir geht…

“wie es mir geht
willst du gar nicht wissen
und was ich trinke willst du
schon gar nicht bezahl’n
aber qualen die bringst du
wenn du in mein ohr reinschreist…”
Element of Crime

wie es mir geht, darfst du mich gar nicht fragen. ich weiß meistens nicht, worauf sich die frage bezieht; dieser moment? diese stunde? dieser tag oder dieser tage…?

und wie es mir geht, weiß ich meistens auch erst hinterher: könntest du mich nicht fragen, wie es mir ergangen ist?

ich liebte ein mädchen vom mars…

das sind die kleider aus amerika… ich bedauere sehr, daß wir die nicht behalten haben… die gingen in dem weiter-vererben-rhythmus natürlich den weg aller kleider… aber es gab auch die kleider von Tante Emmely. Kleider von Emmily paßten quasi niemandem. ‘das paßt Tante Emmely’ war sozusagen ein geflügeltes wort für ‘größe 36′ oder was heute so als ideal betrachtet wird. nichtsdestotrotz hat mir Granny mal ein Kleid von ihr vererbt: es war aus kupferglänzendem taft, ein bleistift-kleid, oben corsage. der kupfer-stoff wurde von samt-beflockten linien gekreuzt, 60°-winkel vielleicht, die linien ca. 1cm. breit… mit einem kleinen bolero… wunderschön…

und es kam der tag, an dem ich es entdeckte: du erinnerst dich vielleicht, ich habe in Halle in einer Boutique mit Kostümverleih gearbeitet? und zur faschingszeit war es eigentlich nur noch kostümverleih, ich habe es gehaßt: überstunden, wann immer welche den laden betragen, fingen sie spontan zu kichern an, die haben stunden damit zugebracht, lachend… kostüme kamen oft nicht zurück, waren aber vorbestellt… ach laß es, es war streß. es hat mir den fasching gründlich verleidet. und bestimmt wollte ich auf keine dieser parties gehen! aber da gab es den burg-fasching. burg: burg Giebichenstein, die künstlerInnenschule. und das motte: ‘ich liebte ein mädchen vom Mars’. cooles motto! coole leute dort! aber ich war mit K. zusammen, der schönsten frau von ganz Halle und K. betrog mich (und ich hatte noch nicht über freie liebe nachgedacht, auch nicht über eifersucht oder wie beziehungen überhaupt funktionieren…) und K. kam nicht nach hause. und ich, die kostümverleiherin, bekam lust… lust auf diese party, auf die nacht aller nächte… und ich durchstöberte meinen kleiderschrank (ich versuche _heute_ seltsames, historisches oder kostüme in anderen orten unterzubringen. damals war das immer noch eins…) und ich fand: dieses schokoladen-kostüm. meine güte ‘ein mädchen vom mars’, was sollte mir historisch veranlagter da schon kommen? es kam mir eins: schokolade! ein mars-riegel! und das erstaunliche: ich paßte in das kostüm! es hieß immer: niemand paßt in Tante Emmelies klamotten: ich paßte hinein! der rock saß sexy kurz. dazu hatte ich ein paar schoko-glitzernde absatzschuhe.

es war perfekt! ich war der mars-riegel auf diesem event. ich denke, keine andere war so sexy an dem abend. (naja, vermutlich waren die wirklich sexy frauen auch schon weg - ich pflegte damals spät auszugehen und meine trauer um K. - eigentlich war es mein letzter abend mit ihr, obwohl sie gar nicht da war) machte mich sicherlich noch später…

es war ein wunderschöner abend. ich tanzte heftig mit dem intendanten und hauptschauspieler der freien kommödanten die heftigsten, lyrischsten und wundersamsten sachen, aber ich fiel dabei hin: es war nicht meine schuld, auch nicht mein alkoholkonsum: der absatz meiner highheels rutschte auf einer zertretenen Gauloises-packung weg: PAMMMP! das kam unerwartet, das tat weh, und mein tanzpartner versuchte nur noch, sich entschuldigend wegzubegeben…

aber das wichtigste von diesem abend ist die erinnerung an die momente zuhause in meinem wohnzimmer mit K’s maske in der hand über abschied nachdenkend und dann: so eine wunderschöne feier, wo ich zauberschön war…

Isabell!

da ist frau so bescheuert und gibt ihr nur eine email-adresse… statt einem anständig schön geschriebenen zettelchen, einer visitenkarte oder wenigstens einer telefonnummer…
du mußt wissen: mit dem telefon verhält es sich ähnlich wie mit meiner wohnung, es ist genauso krank… also kann ich es nicht so sehr belasten…
wenn ich allerdings gewußt hätte, wie das wirkt – zusammen mit meiner schüchternheit, die sicherlich wie kälte und kühler abstand wirkte – ich hätte dem telefon schon die macken auszutreiben versucht!
wenn du mir bitte schreiben könntest?

bist du der frühling?

die nächtliche straße, voll von leuten, lachen, kindergeschrei
wo sind die denn alle den winter über gewesen?
mich gemein fühlen, mittendrin
der letzte geruch nach sonnenstrahlen, die neuen blätter – frühling!

zum griechischen krämer nebenan gehen, der so tut, als wär er türke, aber mit meinem cousin hab ich herausgefunden, daß er grieche ist. an solchen orten landessprachlich merhaba und yassu benutzen können, das fühlt sich gut an und kommt wie im urlaub…

barfuß endlich! freiheit für die gummibärchen – weg mit den tüten; ach nein, das war was anderes… als “scheiß deutsche” beschimpft werden (wegen barfuß, kann mir mal eben wer den zusammenhang erklären??), aber das macht fast nix, so fühlen sich in doitschland…, “fremd ist der fremde nur in der fremde”… stimmt ja so jetzt auch nicht mehr… straße überquert, andere passanten gecheckt… ist dieser einfache junge jetzt einer, der sowas gesagt hat?… politik fließen in my heart…

nochmal zum griechen, nein diesmal zum türken, weil der grieche das eine nicht hat, über griechen und türken gequatscht, alles so schön frei und meine füße auch und die alte hose von meiner zweiten liebe, die heute historisch ist (die hose jetzt!), so schöne streifen, aber andere würden sie häßlich finden und mir ist noch immer nicht kalt und ich fühle den boden unter mir und das fühlt sich so an wie richtiges leben…

richtiges leben. richtig leben. also nicht leben in der richtigen richtung sondern: leben. richtig leben. nicht nur warten drauf, träumen von, denken drüber, probieren, wissen, daß nicht… leben…

so hat sich das in griechenland oft angefühlt. ich weiß nicht, warum. vielleicht, weil ich, obwohl ich mit jemandem zusammen dorthingegangen war, mich so oft als einzeln und alleine begreifen konnte. zugegeben, daß ich das konnte, hatte damit zu tun, daß die person, mit der ich dort war, ein mann war. mit einem mann bin ich nicht “zusammen” und begreife mich auch nicht als teil eines paares, weder eines liebespaare, noch eines reise-, arbeits- oder sonstwas -paares… vielleicht muß ich über diesen punkt einmal nachdenken…

ich kam heute in einem durchaus angenehmen telefonat mit meiner mutter nämlich in die verlegenheit, ihr regression erklären zu müssen oder zu können. (was ziemlich gut lief, obwohl genau dieses problem ja an sich ziemlich viel mit der mutter zu tun hat, aber ich glaube, ich habe da ein so eigenes verständnis rüberbringen können, daß sie sich nicht sofort als ziel, getroffen, schuldige oder opfer fühlen mußte, sondern als mutter der eigentlich erwachsenen, aber regressiv zum baby mutierten tochter mütterlich ein “mach das so!” und “das mußt du machen!” liebevoll sagen konnte… hab ich da vielleicht mal ‘ne gute kommunikation gemacht? ich war ihr so dankbar! ein geschenk… und ich sage das so selten im zusammenhang mit ihr…)

regression hin oder her: griechenland und meine straße im sommer: das ist was anderes. das ist das gegenteil (dieser depression). das ist eigentlich der  zustand, den ich suche, der nicht heilsam wäre sondern: die heilung an sich. das ist der geheilte zustand, nachdem ich trachte.

dann hätte ich das heute ja mal erreicht. kurz nur. und dem frühling geschuldet (was ich nicht beeinflussen kann…). und ohne danach zu fragen, ob ich das verdient habe oder ob es mir zusteht: es war einfach da.

“bist du der frühling?” fragte Peter Hase und er höhrte ein lachen über sich im geäst. “aber das ist doch nur gras!” sagte die amsel…

die geschichte mußte erzählt werden

die geschichte... @ flickr
click makes big

die stimmung schlägt um

die stimmung hatte sich verändert. es roch nach krieg.
die kriegerinnen versammelten sich und ihre anführerin empfing und entließ ständig neue botschaften, nachts suchten merkwürdige figuren mit tiefgezogenen kapuzen oder seltsamen verkleidungen das gespräch mit ihr. die leute an den rändern des landes wurden nervös und fingen an, lebensmittel zu horten. an den feuern war oft ängstliches gemurmel zu hören oder die leute verwickelten sich in heftige diskussionen.

keine wußte genau, was los war, aber es war alles anders. die königin lief nächtelang beim schein ihres lagerfeuers im turmzimmer auf und ab. ihre beraterinnen hatten ihr schon lange gesagt, sie müsse die grenzen besser schützen. dies war immer ein so friedliches land gewesen. was vor allem daran lag, daß es jahrelang hinter den nebeln des schweigens verborgen war und ein magischer wald es vor allem außen schützte.

die königin – eine durch und durch friedliche person – überlegte nun, ob sie ganz einfach den magischen schutz wieder aufbauen sollte oder ob sie in den zeiten der offenheit, die sie selbst proklamiert hatte, die grenzen mit ihren kriegerinnen besetzen sollte, ob sie genauso kämpferisch und bis an die zähne bewaffnet wirken müsse, wie einige der nachbarländer. wollte sie eigentlich nicht. sie liebte die ruhe und abgeschiedenheit, die so lange in ihrem land geherrscht hatten. das wollte sie schlicht wiederhaben.

die grenzen waren ungeschützt. es war nicht so, als fielen horden fremder kämpferinnen an den rändern ein, es gab keine brennenden dörfer und keine fliehenden menschen, aber sie spürte in ihren knochen, daß da etwas auf sie zukam. nachts träumte sie von ihren kriegerinnen, die brüllend und mit hellen schreien vorwärtsritten, fäuste, schwerter und speere schwenkten und irgendwas niedermetzeln wollten. sie spürte die wut, die ihre leute ergriff. alle hatten sich gewünscht, daß das land sichtbarer würde und gespräche mit den nachbarn aufnähme. mit den kaum wahrnehmbaren grenzüberschreitungen, mit dem unsichtbaren kratzen an der stillen beschaulichkeit, mit den verunsichernden diplomatischen versuchen, die königin zu schwächen, konnte keine rechnen. selbst die beraterinnen hatten sie davor nicht warnen können.

und so spürte die königin selbst in sich diese wut aufwallen. sie war zornig, wie lange nicht in ihrem leben, sie dachte viel und lange nach, ohne zu einem ergebnis zu kommen, aber sie spürte in ihren knochen: da stand ihr ein kampf bevor. wenn sie das land weiter offen lassen wollte, mußte sie kämpfen.
sicherheit…, unabhängigkeit…, sowas hatte der rat gemurmelt. sie wollte es lange nicht einsehen: wenn du nichts angreifst, dann hast du auch nichts zu befürchten, dachte sie, nichts und keine greift dich an, wenn du einfach nur friedlich deinem tagwerk nachgehst. und nun die letzte nachricht von der königin des nachbarlandes, das ihr deutlich machte: kaum nimmst du die diplomatischen beziehungen wieder auf, kommen die geier und wollen an dir nagen und kauen. obwohl gerade die schwesterkönigin wissen müßte, daß es ihr nichts nützen würde, ihr land zu besetzen, weil nur sie imstande war, die königin in diesem land zu sein, versuchte sie mit fast unsichtbaren, fies verschleierten und geheimen mitteln, an ihrer macht zu kratzen und ihre einflüsse ins land zu schleusen.

die königin war wütend. sie ballte die fäuste und dachte ans kämpfen.