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archiv für thema 'manchmal politisch'

flüchtlinge am Brandenburger Tor unterstützen!

die demonstrieren da gegen die unmenschlichen auswüchse, die unsere politik flüchtigen während der oft jahrelang laufenden asylbeantragerei aufbürdet: sammelunterkünfte und residenzpflicht als die schlimmsten.

mit jacken & tee sind sie soweit wohl ganz gut versorgt, jedenfalls haben sie die jacke, die ich heute da vorbeibringen wollte, nicht mehr brauchen können. ich habe mit leuten, die sie unterstützen gesprochen: vor allem fehlen ihnen menschen, die sie, besonders nachts, unterstützen: tagsüber, wenn der platz voll ist mit touristinnen, hält sich die polizei wohl zurück; aber was nachts passiert, kann ich nur als schikane & zermürbungstaktik betrachten. bei dem wetter ist es sowieso schon hart da draußen, aber dann noch nicht mal schlafen zu dürfen, sich nicht hinlegen zu dürfen & spontan mal zu ‘nem verhör in so einen polizei-wagen abgeführt zu werden… viele der unterstützerinnen sind noch dazu krank geworden (auch klar irgendwie) und fallen daher weg.
vor allem ab 22:00 uhr mal am Brandenburger Tor vorbeigehen, “hinsehen & hingehen” sagte der eine vertreter, ist ja schön zentral & gut mit einem heimweg von einem schönen abend zu verbinden?! und weitersagen!
mehr information bei der grünen-jugend-berlin und diesem zeit-blog.

rosa eier & so zeugs

ich finde ja sehr interessant, wie das netz mit sexistischem kinderspielzeug umspringt. jüngst fand ich via jezebel.com wie sich leute mit sehr witzigen und klugen satire-’rezensionen’ über etwas so unsinniges wie einen bic-kugelschreiber extra für frauen lustig machen [neues fenster, englisch]: bic for her bei amazon.co.uk [neues fenster, english]. und in facebook kam dann meine liebe blogfreundin auf “schade, daß das noch keine mit den rosa ü-eiern [diestandard.at, neues fenster] gemacht hat”, schaute fix nach – und wurde fündig: auch da haben schon welche angefangen, nette satire-kommentare für abzulassen. ich muß zugeben: ich habe innerlich schon meinen bleistift gespitzt, aber leider fällt mir nichts gutes ein, ich würde da auch so gern ein knackig-witziges textchen ablassen, bin aber grad weder noch… (das ist ein wink mit dem zaunpfahl für leserinnen, die formulieren mögen!)

zu diesen rosa überraschungseiern hat m. e. übrigens Antje Schrupp das schlaueste geschrieben [neues fenster, deutsch](was auch die zweite rezensentin mit “nicht rosa genug!” meint): da geht es sosehr vielleicht gar nicht drum, die mädels auszugrenzen oder kleinzumachen, nein vielmehr um jungs geht es: mädchen sind es (dank emanzipation und männlichkeit-als-standard) durchaus gewöhnt, jungszeugs in ihren ü-eiern zu finden, nur sollen jungs halt von weiberkram abgehalten werden.

von da aus bin ich zu dem emma-artikel über den vater im rock gestoßen & habe mich spontan in beide verliebt: wievielen jungs werden die haare oder haarschwänzchen abgeschnitten (damit sie in kindergarten/schule/gesellschaft keinen ärger bekommen, nur zu ihrem schutz!), wievielen wird die lust auf rosa, glitzer oder puppen schon früh ausgetrieben? (ich habe ein persönliches beispiel in meiner verwandschaft)…

wegen der ü-eier bin ich zu pinkstinks gelangt, (die eine kampagne gegen die nämlichen gestartet haben) und möchte zu diesem posting hinzufügen: mir wurde erzählt, daß meine tante kinderwagen liebte. und immer auf dem neuesten stand war, was die aktuelle kinderwagen-mode betraf. deshalb tragisch, daß sie immer nur abgelegte & gebrauchte kinderwagen für ihre 3 kinder hatte (ich bin sehr für recycling & wiederverwendung, aber fürs seelenglück hätte ich einer frau, die auf sowas steht, gerne den spaß der auswahl & eines neuen, schicken kinderwagens gegönnt!). und ihr letztes baby ist mein erstes baby, was ich so von anfang an (schwangerschaft, stillen, vorsicht-mit-dem-köpfchen!, durch-die-gegend-fahren) so richtig miterlebt habe – meine kleine cousine. und ich erinnere mich, daß meine tante in der stadt (einem städtchen, wo sich fast alle kennen), ehrlich angemacht wurde, daß sie diese tochter in einem blauen wagen spazierenfahre; schließlich sei das doch ein mädchen! diese erzählung meiner tante hab ich damals aufgeschnappt – das ist nichts, was in meiner familie jahrelang erzählt werden würde & die erwachsenen haben sich kurz aufgeregt & es dann (vermutlich) vergessen: aber ich erinnere mich jedesmal, wenn ich was über geschlecht, gender & erziehung lese (das buch von Ursula Scheu beispielsweise) an diese fragen, die mich damals schon beschlichen & bis heute nicht loslassen: warum ist es den erwachsenen so wichtig, ein baby klar in die kategorieen junge oder mädchen einzusortieren? als gebärfähige frau habe ich mir manchmal vorgestellt, daß ich mein baby mit absicht gerne irreführend ausstatten würde. (zumal ich als jugendliche “Das eine sein, das andere lieben” von Christine Brückner so verschlungen habe & es mich tief beeindruckte.) aber schon als kind war mir klar, daß es dem baby ziemlich wurscht war, welche farbe der wagen hat. daß diese frau, die meine tante wegen dieser falschen farbe so anging, aber so tat, als ginge es ums kindeswohl, das beschäftigt mich bis heute: was tun eltern und eben auch vorrangig frauen sich, ihren kindern und ihrem menschenbild an, wenn sie mädchen in blauen kinderwagen nicht ertragen können?

heute kommt die diskussion auf facebook mit neuigkeiten: bei cracked.com haben sie die “8 schrägsten sexistischen produkte, von denen du nicht glauben würdest, die seien für kinder” [englisch, die bilder sind aber durchaus ausreichend. neues fenster]. sind sie aber. leider.

also: weitermachen! mit klugen rezensionen & kritiken, die den herstellerinnen wie auch potentiellen käuferinnen klarmachen, was das zeug machen soll. und wieviele das nicht gut finden.

danke für’s zuhören. (hab lust, eine neue kategorie #sexistischeKackscheiße aufzumachen…)

kaffee für 60 € das kilo!

zugegeben, ein etwas reißerischer titel, ich hoffe er wirkt ;-)

daß diese kapsel- und auch tütchen-kaffeemaschinen der blanke wahnsinn seien, den verdacht hatte ich schon, als ich die das erste mal bei freundinnen sah. vor allem, da ich bei meiner geschmacksverbesserungssuche immer mehr in richtung handgemacht driftete. aktuell wird hier mit porzellan-filter-aufsatz, filtertüten & gemahlen gekauftem kaffee gearbeitet, aber ich habe auch schon mit der hand gemahlen (wesentlich leckerer!), über einen gold-filter (abwaschen statt papier zu verschwenden) nachgedacht, was aber gerade etwas ins hintertreffen gerät, weil ich alle paar jahrzehnte mal was neu brauche und gerade überlege, mir so eine französische runter-drück-kaffee-kanne zuzulegen.

aber als meine mutter mir jüngst erzählte, sie hätte sich so eine nespresso-maschine gekauft, war ich ernstlich geschockt! schließlich habe ich meine ökologischen ansätze von ihr (geerbt oder anerzogen)! ich wußte da noch nicht, daß diese dinger auch noch aus aluminium sind und meinte nur leise: “aber diese kapseln…?” – “die sind aus alu, geht natürlich gar nicht! aber der kaffee schmeckt einfach am besten!” – diese antwort hat mich ganz still gemacht.
diesen wahnsinn aber jetzt mit zahlen und einem so schönen artikel verlinken zu können, gibt mir keine genugtuung, sondern das blöde gefühl, daß mein bauchgefühl stimmte & daß mehr leute so etwas ähnlichem (oder wenigstens ihrem verstand) folgen sollten:

Müll hat einen Namen vom futterblog (via 343max @ fb)

ich finde was an der ‘window-farm’ blöd

The Windowfarms Project / Britta Riley
windowfarm bei flickr [neues fenster]

seit einiger zeit geistert die hübsche idee von window-farms durch die diy-szene: die eigene kleine farm im fenster. da können salate bis tomaten wachsen: plasteflaschen werden dazu recycled (in Deutschland auch ein geld-faktor: pro flasche könnte frau auch 25 cent kriegen), aber dazu braucht es schläuche (die vermutlich in wenigen haushalten vorrätig sind) und außerdem: eine pumpe! die pumpen das wasser von unten wieder nach oben! und genau das stößt mir an dem schönen projekt sauer auf: ich meine, sowas installiert frau sich doch gemeinhin an dem ort, an dem sie auch lebt, oder? und so, wie ich mich um meine normalen topf-tomaten oder topf-blumen auf dem balkon oder fensterbrett kümmere, könnte ich doch auch einmal täglich das wasser von unten nach oben bewegen.
das wasser per motor zu bewegen – die farm als perpetuum mobile zusagen – lohnt sich doch nur für längere abwesenheit oder aber, wenn ich riesige fensterflächen (einer fabrik z. b.) nicht mehr mit menschenkraft bedient kriege.
sprich: der hype erschließt sich mir nicht. wirklich nicht. strom dazu zu verschwenden, daß ich entweder weniger salat oder tomaten aus gewächshäusern in zigtausend kilometern esse (weil eigenen) oder daß mir mein salat besser schmeckt (weil selbstgezogen)…kann da mal nicht eine bitte energiebilanzen ziehen? oder unten drunter ein auffangbecken konstruieren?

danke.

seelenpfuscher?

in meiner bücher-kategorie ist aber auch lange nichts passiert, also los! gerade gelesen: “Die Seelenpfuscher | Pseudo-Therapien, die krank machen” von Heike Dierbach.

ausgesucht hatte ich es, weil ich einen abschnitt zu Bert Hellingers Familienstellen drin gesehen hatte, aber auch zu anderen psychotechniken, die mich durchaus schon mal gereizt haben, steht etwas drin. beispielsweise habe ich selbst die “Bestellungen beim Universum” und anderes von Bärbel Mohr begeistert gelesen, “The Secret” auch, wobei mir das schon von alleine ein ungutes gefühl gemacht hat. bei Bärbel Mohr war es vor allem auch die positive stimmung, in die sie mich als leserin versetzen konnte, ansteckender optimismus, auch das kann ja eine besserung der lebensqualität verursachen. ihre späteren werke habe ich nicht mehr so mitbekommen, wohl aber ihren tod fassungslos aufgenommen und war erstaunt über die bis hin zur boshaftigkeit reichenden reaktionen in der eso-szene.

“The Secret” ging mir wohl schon deswegen zuweit, weil es dich halt auch für unglück, krankheit und unfälle verantwortlich macht. ja, ich hab mir ab und an mal einen parkplatz gewünscht. aber beispielsweise nicht meine krankheit (Bärbel Mohr hat das vermutlich auch nicht getan) und den leuten an solcher stelle dann schuldgefühle einzureden halte ich für extrem verantwortungslos. “keine krankheit habe ihre ursache im stofflichen bereich” stimmt einfach nicht: wenn mir wer zuviel Belladonna ins essen mischt, dann kann ich sehr wohl nix dafür, wenn ich daran elendig verende! und wenn einer von den Secret-verfechtern etwa behauptet, hungernden kindern in Afrika müsse er nur mal “The Secret” beibringen (und dann könnten sie sich ihr essen auf den tisch wünschen oder wie?), dann ist das zynisch und schlicht bösartig (und ich wünsche mir den Knüppel-aus-dem-Sack, der ja zum Tischlein-deck-dich und zum Goldesel ebenso dazugehört)! (Seelenpfuscher, S. 103)

Heike Dierbach geht in dem buch auf folgende methoden oder techniken ein:

  • rebirthing
  • festhaltetherapie
    von dieser bösartigen methode hab ich ja noch nie gehört und wenn, wäre mir auch ohne diese lektüre das messer in der tasche aufgesprungen! derart gewalttätige ansinnen gehören doch bitteschön nicht zu den gutmenschen, für die sich esoterikerinnen an sich halten??! ich verstehe es nicht!
  • familienaufstellung nach Hellinger
  • The Secret
  • Hoffman-Quadrinity-Prozess
  • Reinkarnationstherapie
  • The Work nach Byron Katie Reid
  • Channeln / Engeltherapie
  • Fernheilung

jede dieser methoden oder techniken wird mit einem beispiel und einem möglichen sitzungs- oder prozessverlauf dargestellt, ursprung und methode erklärt, zum beispiel, daß beim familienstellen Virginia Satir die eigentliche ‘urheberin’ ist (die inzwischen vermutlich im grabe rotiert, die arme, angesichts dessen, was heute daraus entstanden ist!), dann wird das heilsversprechen ausgewertet, die ausbildung der praktizierenden oder lehrenden untersucht und kosten & dauer dargelegt. anschließend – schließlich soll das buch diese praktiken entlarven, beleuchtet die autorin das seelische risiko, wobei ich es angenehm finde, daß sie nie so reißerisch schreibt, als würde nun wirklich jede zweite, die bei so einem prozess mitmacht, anschließend in psychatrie, suizid oder psychose landen, sie achtet hingegen auch genau darauf, ob die patientinnen achtsam behandelt werden und bewertet beleidigung und beschimpfungen als das was sie sind und nicht als therapeutisch notwendig.

sie stellt die  möglichen seelisch-psychologischen erklärungen dar, wobei ich finde, daß sie den placebo-effekt zu sehr abwertet. sicherlich ist der wissenschaftlich einfach zu erklären, aber ich halte ihn auch für extrem wichtig, eben weil er die selbstheilungskräfte der patientinnen aktiviert und die sind m. e. weitaus höher zu bewerten, weil ich glaube, daß sie auch umgekehrt funktionieren: wenn ich nicht an die heilmethode glaube, dann können auch schulmedizinische oder wissenschaftlich bewiesene therapieversuche nicht nicht wirken!

wo es möglich oder angebracht ist, schreibt sie dann auch zu möglichen alternativen oder verwechselbaren therapien, so erklärt sie zum beispiel sehr klar, daß die “familienskulptur” (wie Satir das nannte) eine wirksame methode innerhalb einer therapie sein kann und macht deutlich, wie schwierig es inzwischen geworden ist, “gutes” systemisches aufstellen von “schlechtem” zu unterscheiden, schon deshalb, weil sich die familienaufsteller nach Hellinger zu gerne in die nähe der fundierten systemischen therapeuten setzen:
es gibt die SG (Systemische Gesellschaft)
und die DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie) und die Hellinger-basierten leute haben sich
unter dem kürzel DGfS (Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen) zusammengefunden – mir wird langsam klar, warum ich nie vermochte, die spreu vom weizen zu trennen… (und witzigerweise sind sie mit dem kürzel auch nicht mehr bei wikipedia vertreten. die website selbst heißt auch ‘familienstellen’… da haben wohl ein paar advokaten ein bissel personen in einem großen raum aufgestellt ;-) … oh, aber dabei sind sie noch mit anderen zusammengeraten: dasselbe kürzel wird von einer sprachwissenschaftlichen wie auch einer finanzplanungsinstitution verwendet. die ham also nur vergessen, diese abkürzung mal auf die höhere ordnung hin zu überprüfen *eg*)

hier erinnert Dierbach mehrfach auch andere stellen an ihre verantwortung, menschen und vor allem solche, die nach seelischer hilfe suchen und sich damit ganz offensichtlich in notlagen befinden durch amtliche stellen, institutionen oder ämter zu schützen: wieso können Hellinger-aufstellungen in volkshochschulen stattfinden, wieso stehen dessen bücher in bibliotheken (& uni-bibliotheken!) zwischen wissenschaftlich fundierten und nachgewiesen funktionierenden methoden (sie schlägt vor: parapsychologie ,-) ) und beschreibt, wie sich universitäten vereinnahmen lassen und ausgebildete psychologen und therapeuten allzufreiwillig in die nähe des Hellinger-familienstellen begeben, so daß der begriff a) inzwischen sozusagen völlig verbrannt ist für die familienskulptur nach Satir und ähnliche therapeutische ansätze, die ohne den zynismus und die aggression Hellingers arbeiten, b) für ratsuchende oder gar hilfebedürftige ein unterschied kaum noch auszumachen ist und c) die nähe zu psychotherapie und -therapeuten den gesamten berufstand und die psychotherapie an sich ernstlich in verruf bringen.

nachdem ich das alles geradezu verschlungen hatte, war ich erfreut, noch mehr informationen in dem buch vorzufinden, und zwar: eine beschreibung von psychotherapie und ihren formen und methoden mitsamt einer ausführlichen erläuterung, wie die wirksamkeit solcher methoden schulmedizinisch und wissenschaftlich nachgewiesen wird und und wie die institutionen arbeiten, die solche methoden (zum beispiel für krankenkassen) zulassen oder halt nicht. dabei ist mir beispielsweise klar geworden, daß es nicht machbar ist, innerhalb von 2, 3 jahren die heilversprechen von verfahren wie Reiki, Feldenkrais oder Wassershiatsu (heilarten, von denen ich was halte) so zu beweisen, daß sie auf ganze bevölkerungen und auf tausende von verschiedenen heilerinnen angewandt werden können. was schlicht sein muß, wenn ein system wie das der krankenkassen dafür bezahlen soll. was mir dabei aber fehlte, waren hinweise darauf, daß “recht hat, was heilt” und daß die nicht-zulassung nicht gleichbedeutend ist mit nicht-wirksamkeit: akupunktur und akupressur sind inzwischen (zumindest teilweise?) zugelassen, was den tausenden von leuten, die sie bis dahin auf eigene verantwortung anwenden haben lassen und selbst bezahlen mußten, recht gibt. und so erklärt sie auch, daß diese langsame und offensichtlich schwerfällige schulmedizin durchaus auch für neuerungen offen ist: in diesem buch wurde mir (endlich, wird maBelle sagen) erklärt, wie EMDR funktioniert und daß es signifikant wirksam ist. (und was signifikant ist & warum es wichtig ist.) [erklärung: maBelle möchte schon lange, daß ich EMDR mache und meinte als erstes, daß das eben “schnell helfen würde”. und ich bin halt mißtrauisch gegenüber allem, was schnell helfen soll, was mir die lektüre dieses buches nur wieder bestätigt. nichtsdestotrotz halte ich mich noch immer für die falsche patientin für EMDR: es ist für extreme traumata und besonders bei schlimmen flash-backs. aber ich habe keine flashbacks urplötzlich und scheinbar ohne anlaß mitten im leben. aber ich denke jetzt noch ein wenig mehr über diese therapiemethode nach…]

meine kritik: die kapitel channeln/engeltherapie & fernheilung hätten mehr ausdifferenziert werden müssen: nicht, daß ich mich in der esoterik-szene super gut auskenne, ich habe solcherlei kurse, seminare oder begegnungen nicht bis kaum mitgemacht (laß mich zählen… 1 kurs in den letzten 10 jahren und zwei, drei Feldenkrais-wochenenden), aber ich lese oft und gerne in den heftchen, in den kostenlosen, mein connection-abo ist zu lange her… (die connection ist aber das einzige heft, daß ich durchweg gut finde, eben weil es die eigenverantwortung ins zentrum setzt.) und ich denke, daß durchaus auch andere wesenheite als nur engel ‘gechannelt’ werden. engel sitzen für mich ganz nah oder im christlichen glauben & denken. und daher hätte über engel auch im christlichen kontext geschrieben werden müssen. und dabei durchaus auch beleuchtet werden können, inwieweit oder -fern die kirchen oder der christliche glaube am heilungsprozess mitarbeiten können oder nicht. ich weiß, daß es christliche richtungen gibt, die ihren leuten arztbesuche, chemotherapie oder blutübertragung verbieten. das könnten sie nicht tun, gäben sie nicht auch ein alternatives heilversprechen ab. aber gut, vielleicht sind die kirchenaustritte und kirchenflucht ein deutliches zeichen dafür, daß die meisten teile der bevölkerung davor nicht mehr gewarnt werden müssen.
aber ich bin mir sicher, daß auch andere wesenheiten “gechannelt” werden. die technik channeling nur mit den relativ harmlosen wenn nicht sogar gutartigen engeln in verbindung zu setzen, halte ich für unüberlegt.
im kapitel “fernheilung” taucht auch Reiki auf. ich weiß, daß leute das durchaus als fernheilung anbieten und anwenden. und obwohl ich 2 frauen kenne, die es auch als fernheilung praktizieren, muß ich zugeben, daß ich nicht an die fernheilung glaube. wohl aber an Reiki, weil ich das einfach schon erlebt habe. und ich habe es als positiv und heilsam erlebt. und es hat gewirkt! und an der stelle ist mir Dierbach “zu schulmedizinisch” und “auf einem auge blind”: sie erwähnt Reiki nur im fernheilungsprozess und degradiert damit das gesamte Reiki als unwirksam und hokus-pokus, womit leute nur geld schneide(r)n wollen. dabei könnte sie an der stelle, wo sie schon beschrieben hat, daß der placebo-effekt durchaus helfen kann und daß es an sich gut sein kann, selbstheilungskräfte zu aktivieren und daß die schulmedizin zu wenig zeit für ihre patienten hat, doch durchaus beschreiben, daß die hinwendung zur patientin hilfreich und heilsam sein kann, sei es durch zuhören oder halt handauflegen.

nein, das war nicht die absicht des buches, stimmt schon, sie wollte krank-machende therapieen aufdecken. aber an der stelle hat sie vergessen zu erwähnen, daß auch berührungen heilen. es ist nur so unheimlich schwer, von ärztlicher seite noch ‘ne massage verschrieben zu bekommen… oder daß dich überhaupt mal wer anfaßt…
und es ist unheimlich schwer, patientinnen an ihre eigenverantwortung zu erinnern. was Dierbach durchaus die ganze zeit macht & versucht! du bist für deinen körper & deine seele in erster linie selbst verantwortlich. und wenn du dafür hilfe brauchst (arzt oder heilerin), dann sollten die gefälligst gut sein. das buch beschreibt, daß es leute gibt, die dafür nicht taugen. daß die, die laut system dazu taugen sollten, auch nicht so gut sind, sein können oder sein wollen, wie das system sich das mal gedacht hat… das paßt vermutlich auch nicht in zwei buchdeckel. aber nicht-schulmedizinisch ist auch keine garantie für qualtität: im gegenteil: das buch zeigt die qualitätsprüfungskriterien für die schulmedizin. und es stärkt die eigenverantwortung. und das ist gut!
verschenkempfehlung? unbedingt! zusammen mit einer kritik an schulmedizin & gesundheitswesen!

genderneutral schimpfen

"du blöde schwanzfotze!" schimpften sich gerade ein paar mädels vorm haus an. das schien das ende eines bitterlichen streites zu sein, aufgrunddessen sich eine von ihnen alleine davonmachte. die fragte ich, ob sie wisse, was eine ‘schwanzfotze’ sei. "was?!" ok, ob sie wisse, was eine ‘fotze’ ist? nein, wußte sie nicht. nach dem anderen teil hab ich dann gar nicht mehr gefragt und ihr geraten, doch lieber ‘du blödes konsumbrot!’ zu schimpfen…

aber insgeheim freu ich mich grad blöde über dieses neue schimpfwort: wieso nur ein körperteil oder nur eins eines geschlechtes beschimpfen? gleich beide! so ist der geschlechtsneutralität genüge getan, es trifft fast alle oder jede/n (sogar schnecken, die ja zwitter sind)! und fühlt sich für die kinder, die zwar die bedeutung der worte nicht kennen, wohl aber deren kraft und macht spüren vermutlich doppelt so kräftig an. *grins*

theater! theater! und ja, was es sonst so hat…

spiellust und spielfrust, per-rücken und ver-rücken an einem abend, hinterher mit den darstellerinnen noch in ‘kamin & wein’ (oder vice versa) und hinhören, zuhören, zulassen (wieso haben im deutschen die sachen, die mit aufmachen zu tun haben, ‘zu’ im wort??) zulassen hat doch garantiert was mit dem schließmuskel zu tun. oder mit dem beckenboden?? zulassen ist doch aufmachen? zuhören genauso! gut, beim zuhören könnte ich das ‘zu’ noch mit der nähe, mit dem hinneigen in verbindung kriegen…
spiellust, schlechte regie, starke ambitionen, die von korinthenkackerinnen gebremst werden… macht jedenfalls tolle gespräche!

und dann kommt die sprache auf einen ex-kollegen, die eine alte/nichtneue/vorhergegangene freundin als praktikumschef ihres sohnes neu kennenlernen mußte…
und mit einemmal liegt es klar vor mir: die jungen männer, die wir als praktikanten hatten… die merkwürdige bindung, ja anhimmelei, die die für diesen chef an sich hatten. die eigenartige bindung dieses mannes zu seiner mutter, die permanent präsent zu sein schien, nie wirklich auftauchte und sich (vor allem in seinem reden) nur für tiere (besonders vögel) zu interessieren schien.
ich war damals neu im leben als menschenfrau. und ich mußte mich damit auseinandersetzen, wie frauen als un-weibchen klarkommen. und als lesbe noch dazu. ich glaube, ich habe damals wenigstens gelernt, mit hetero-männern umzugehen. also ich bilde mir ein zu wissen, wie ein hetero-mann auf eine halbwegs attraktive frau zugeht und wie ein hetero-mann auf eine frau, die sich als lesbe bekennt, zugeht. die wege, die meine kollegen und kolleginnen damals gegangen sind, habe ich auch manchmal erst im nachhinein genauer erkannt. oder kennengelernt. aber das jetzt!
es ist nicht so, als hätte mir wer gesagt: der ist schwul. (das war meine erste frage: er ist schwul, oder?) es hätte mir einiges erklärt: wenn er einfach schwul wäre und das trotz des offenen umfeldes von theater-leuten und andern künstlerinnen einfach nicht gebacken bekommt…
nein. pädophil.
erklärt am beispiel eines sohnes, der in dieser abteilung sein praktikum machte und mehr und mehr in das spinnennetz von ‘cool’, vertrauen, was-anderes, scharf und du-doch-auch geriet…
besagter sohn hat die kurve gekriegt. aber ich stehe da und sehe all die jungen praktikanten, die wir hatten, ich sehe die kaputten beziehungen, die wir nicht hatten (aber hätten haben sollen!) und ich sehe vor allem diesen einen jungen mann, ich hab ihm meinen Trabbi geliehen und er hat mir erst hinterher gesagt, daß er die fahrerlaubnis erst einen tag lang hatte… und ich sehe seine anbetung gegenüber diesem chef… und seine jungenhaftigkeit, seine schönheit und seine kraft. oder stärke. oder saft…
ich verstehe auf einmal: ich verstehe die beziehungslosigkeit dieses chefs, was ein grund für mich war, diesen job aufzugeben (was ich bis heute zutiefst bedauere!), die ihn aber auch mit all diesen kolleg/innen, die sich durchaus als seine freundinnen bezeichnen würden, scheitern lassen. und auf einmal verstehe ich, wieso dieser mensch so wirr in der welt steht. er lebt noch heute sehr nah bei seiner mutter und ich dachte immer, eine wie-auch-immer-gestörte mutter-beziehung wäre sein problem. zumal er immer behauptet, hetero zu sein.
den vorwurf, pädophil zu sein, hat er aber mit dem argument, im jugendalter selbst sexuell angegangen geworden zu sein abzuschmettern versucht. wobei ihm wohl nicht klar war, daß die täter immer früher opfer waren und daß dieser mechanismus eben ausschließlich über sexuelle gewalt weitergetragen werden kann.

so. ich dachte, ich kenne keine/n pädophilen persönlich (außer ‘meinem eigenen’ sozusagen)… doch. jetzt kenn’ ich einen. hätte ich früher jederzeit als freund, naja gut… guten kollegen bezeichnet. daß ich ihn für einen wirklich beschissen schlechten chef gehalten habe, daß er weder für seine mitarbeiterinnen, noch für seine fehler wirklich eingetreten ist…
nein, das beschreibt es nicht. sturznormaler typ (was am theater schon selten ist), der einfach bei parties immer anner musik rumdrehen wollte (was so ziemlich spaßbremsend war)…

als wildwasser-orientierte hexe wollte ich mich nie groß um die täter(innen) kümmern. was extrem schwerfällt, wenn du therapie machst oder gemacht hast. aber der jetzt… ich dachte, ich kenne keinen pädophilen persönlich. so richtig per du. (außer meinem eigenen, freilich… ist aber lange her und ich war nicht so klar… ja, Sie können sich das vorstellen…)

und jetzt kenn ich einen. ich hab ihn sogar gemocht! vermutlich würde ich ihn immer noch mögen, wenn ich im in der kantine begegnen würde… das ist nicht ’so einer’.

’so einer’ ist dein guter freund, dein chef, dein onkel, dein mann, dein bruder…

und wir haben noch immer nichts; weder gegen sie noch für sie…

our kissing has changed

… auch wenn ich grad nicht begreife, was diese weaponizer-website da macht: eine hat ein flickr-photo von mir für einen text verwendet, worauf ich sehr stolz bin ;-)

“Safe again” by Jacq Kelly unter verwendung meines flickr-photos von zwei sich küssenden damen (jetzt könnten wir noch die sprayerin/den sprayer finden, um die credits komplett zu machen oder dem/derjenigen die entsprechenden lorbeeren umzubinden… wer aus Sangerhausen kennt diese graffity-künstlerin oder den graffity-künstler?)