ich habe, als ich mich mit dem berater der werkstätten traf, festgelegt, daß ich mein einwöchiges praktikum gerne auf zwei abteilungen: digital und textil verteilt hätte und daraufhin haben wir mich auf zwei tage in der IT-abteilung festgelegt, wo eine bestimmte teilnehmerin, die für mich wichtig sein könnte oder werden, da sein sollte (was dann aber nicht so war) und dann wollten wir die nächsten zwei tage für die textil-abteilung festlegen, die mich ohnehin interessiert hatte und in die ich mich spontan verliebte, als ich vor dem wolle-regal stand… die textile-sache sollte noch möglichst vor dem urlaub der textil-chefin steigen, die an dem tag, als ich mir den laden anguckte, nicht da war…
also die zwei tage digitale-medien-praktikum: der chef liebte mich! (das tat er schon bei der vorbesprechung). einer der gründe, warum ich so einen platz zur “teilhabe am arbeitsleben” suchte, war eben auch der, erfolge zu haben. fachliche. technische… diese IT-abteilung gibt mir wirklich das gefühl, gut zu sein, ahnung zu haben, wissen und können mit kreativität verbinden zu können. ich warf dem IT-chef nur ein paar stichworte zu und er war begeistert. er schaute mir mehrmals beim arbeiten zu – und war immer noch begeistert. das tat wirklich gut und hat in mir die nerdige techi-frau wachgekitzelt. ich werde der abteilung auch gerne ab und an zur verfügung stehen… mir das anzugucken, hatte den hintergedanken, daß ich glaubte, über einen geschützten arbeitsplatz dieses medium, das ich mir freiwillig ausgesucht hatte, das zu mir gekommen war in einer zeit, wo ich nicht mal mehr wußte, daß ich suchte, aber dennoch zwischen allen künsten stand und mich mal wieder nicht entscheiden konnte, dieses medium, das, fast wie das theater, mehrere sinne bedienen konnte und das mich beherbergt hat in den letzten 9 oder 10 arbeitsjahren, das mir sogar einen gewissen status und einen gewissen ruf in der entsprechenden szene hatte schaffen können, diese arbeitswelt, vor der ich soviel angst habe und soviel vorwürfe und zweifel… jedenfalls mir diese welt in einem geschützten arbeitsplatz wieder erobern zu können…
mag sein, daß es daran lag, daß ich mit dem rücken nicht nur zur tür sondern in den gesamten raum gesessen habe. mag sein, daß es daran lag, daß der entwurf, den ich machen sollte, für einen christlichen pfarrer war, dessen buch mit dazugehöriger theorie veröffentlicht werden soll und daß ich diese theorie einfach weder verstehen noch nachvollziehen konnte. mag sein, daß mir der informationsmangel, der in solchen jobs irgendwie dazuzugehören zu scheint, schon von anfang an die sache vermiest hat: ich schaue mich im web nach schicken schriften um – ich will das ding ja von anfang an typorgraphisch ansprechend gestalten und da es weder firma noch logo oder sonstwelche ausgänge gibt… kommt der chef an und sagt: wir haben da vorgaben…
arial… gut, ein kunde, der sich offensichtlich über das web kundig gemacht hat… ok, ich suche keine schriften…
wie auch immer: ich bin am ersten tag nach hause gefahren und war richtig ärgerlich über mich selbst und über meine entwürfe: ich hatte quasi einen ganzen tag damit verbracht, das standard-design einer wordpress-installation neu zu erfinden…
am nächsten tag nahm ich’s lockerer, dachte mir, daß der kunde vielleicht nur was über die lesbarkeit von schriften im netz gehört hatte und machte mich an einen entwurf mit headergrafik in kursiver, klassischer schrift (Times)… wenn ein spießiger alter pfaffe keine Times verträgt – wer dann?… kombiniert mit einem schicken photo von mir selbst und einigen photoshop-anstrengungen über wellenlinien – für ein lebens-, seelen- und beziehungserklärungsdingens doch immer passend…
es ist unerklärbar, was für gefühle mich in diesen zwei tagen ereilten… waren das 9 jahre kundenhass? oder -angst? oder ängste vorm chef? oder versagensängste? (was, wenn du nicht kreativ bist? wenn du nur das wordpress-template hervorbringst? und jemand merkt das… und was, wenn es niemand merkt – noch peinlicher… der werkstattleiter wollte natürlich alle meine entwürfe vorzeigen – ich weiß aus meiner arbeitserfahrung, daß der kunde immer den häßlichsten aussucht – warum auch immer… warum entlarvt mich keiner? ich bin doch gar keine designerin! ich bin überhaupt nicht gut! ich kopiere doch nur! ich kann beim pfeifen nicht mal mehr die melodie halten…
es war hart. zumal ich so saß, daß ich mit dem rücken zum raum war und seitlich auch noch zur tür: sprich, mir konnten alle in den bildschirm sehen. ich hasse es, mit dem rücken zur tür zu sitzen und ich hasse es, mit dem rücken in den raum rein zu sitzen… und das hat durchaus auch gründe: ich weiß, daß meine ersten zwei, drei entwürfe (meist nur zwei) einfach scheiße sind. normalerweise hätte ich die dinger einfach in dem orkus der lokalen festplatte gelassen und noch zwei andere schicke gemacht (3 zum aussuchen oder auch untereinander kombinieren fand ich immer gut…). so aber standen teilweise leute hinter mir, was ich nicht mal mehr mitgekriegt habe! (wer mich jemals krass an einer sache hat arbeiten sehen, weiß, wovon ich rede…) und genau mir dabei (also auch bei meiner scheiße!) zuzusehen, hat dem digital-chef schon freude gemacht… was tut er, wenn ich erst ein script vor mir habe? (ich bin ehrlich: ich genieße seine fachliche freude über mich derart, daß ich mich bereit erklärt habe, ab und an rüberzuschauen…)
fazit: ich bin ex-webdesignerin. ich habe webfirmen aufsteigen und krachen gehen sehen (und habe von innen die ungerechtigkeit gespürt, das etwas, was in einem aufsteigendenden, wachsenden bereich nur an einem mißbrauch von erarbeitetem geld, oder, im zweiten fall, an mieser organisation scheitert, die ganzen daran beteiligten mitarbeiterinnen runterreißt. im ersten fall hatte ich mir – dieser chef hatte nicht die erste betrügerische firma am laufen und hat mich und andere wirklich in arge finanzielle bedrängnis gebracht, einer der nebeneffekte war beispielsweise mein schufa-eintrag, und ich war noch am schnellsten aus der firma raus! – wirklich strafrechtliche folgen gewünscht, schließlich hatten ich und meine 4 mitarbeiter (meine webdesign-abteilung) hauptsächlich zu den einnahmen beigetragen… der nächste chef ist tatsächlich im knast gelandet und ich kann bei so situationen, wo das gerät, das wir entwickelten und das bei der CEBIT vorgestellt werden sollte und das mit USB-maus und -tastatur arbeiten sollte, spontan mit meiner maus und meiner tastatur zur messe fuhr und ich an dem tag, an dem ich die firmenpräsenz im netz fertigbekommen mußte, nur eine din-A4-große nachricht vom sys-admin am bildschirm kleben hatte, daß sie eben meine peripherie mitgenommen hatten… ohne die ich gar nix tun konnte… oder hast du schon mal direkt in deinen computer reingeredet? … ich erkundige mich (neu in der firma): wer druckt das und welches format verwenden die? und bekomme als antwort vom chef: fang doch gar nicht erst an mit so proprietären formaten, mach’s halt als BMP…
ok, ich sollte – zum ersten mal in diesem blog – darüber nachdenken, eine zusammenfassung zu bringen und den ganzen klartext-sermon erst auf hinklicken hin… ich gebe zu: ich kann das in anderen blogs nicht leiden (weil für meine begriffe falsch benutzt!) aber dieser beitrag…
…jedenfalls waren die zwei tage für die erkenntnis gut: ich bin ex-webdesignerin. vielleicht muß ich die ganzen probleme (was ich habe ich falsch gemacht, daß mir die kunden die erforderlichen daten nie geschickt haben? wieso hat dieser firmeninhaber sich erst das bein gebrochen und, als das endlich ausgeheilt war, mußte er wegen des erscheinungsbildes noch den schwiegervater fragen. wieso ufern websites für freundinnen derart aus, daß ich mit meiner direktive zu klarheit, erreichbarkeit, logik und prägnanz nicht mehr durchkomme…)
eigentlich habe ich an der stelle, wo ich nicht mal mehr für freundinnen webseiten machen konnte, gewußt: es geht nicht mehr.
ich stelle mir gerne vor, daß ich sowas aus spaß, aus liebe oder aus interesse machen könnte. ich habe nur einmal in meiner beruflichen laufbahn was mit 3d zu tun gehabt, ansonsten habe ich das als hobby betrieben: ich habe stilleben gemacht, bilder, was weiß ich – ich konnte mich, so erinnere ich mich, nicht mal mehr für meinen zeichen/kunst-zirkel davon loßreißen… ich habe jüngst meine zimmer in 3d machen wollen. um auszuprobieren, welche möbel wohin, welche farben an die wände, welches meiner zimmer nu wofür… – ich habe nicht mal mehr den simplen raum erstellen können. das ist ein quader mit einem quadratischen loch innen drin, oder, wenn du alle vier wände einzeln willst, 4 quader… : ich hab das nicht hingekriegt…
meine zeit des computerzeitalters ist vorüber – ich bekomme das nicht anders ausgedrückt. natürlich wird der computer mein medium sein. natürlich w erde ich bits, bytes und das netz benutzen. aber – ich kann diesen abschied, der keiner ist, nicht anders formulieren, als so: ich bin drüber weg. ich habe die kapitalistischen formen, dieses medium und das daraus resultierende netz zu nutzen kennengelernt. und genutzt. und zu nutzen versucht. weil in der netzstruktur, in dem kulturellen aspekt, der diesem netz innewohnt, auch in dessen subversivität das liegt, was ich suchte und was ich dort fand, genau mein spektrum liegt. meine arbeitswelt. mein suchen. mein finden. (”weil sucherin bin ich keine” – doch, leider, mir hat das suchen nie gelegen, aber mir bleibt nichts anderes übrig…
übrig ist nun nix mehr für die textile abteilung… also, hier, zum schreiben… ich verlege das auf später… aber da es hier auch keinen -artikel-mehr-lesen-bruch gibt *breitgrins*, ist das verzeihlich?