schon im frühling, nachdem er uns die schönen alten fenster bei lebendigem leibe mit plastefenstern ersetzt hatte, kündigte uns mein vermieter an, daß er uns in 3, 4 jahren wegen eigenbedarfs aus der wohnung haben wolle. fairerweise hat er uns das jetzt schon angekündigt & damit wir uns “bald was suchen können, weil wohnungen immer teurer werden”. ja, werden sie, weil solche knalltüten (wie er) die aufkaufen, billigst (meist tot-)sanieren & anschließend die preise in die höhe treiben!
aber ich hab nix gesagt. dagegen klagen könnte ich vielleicht sogar, aber die kraft & nerven habe ich nicht, ich bin ja nicht mal mehr mit meinem widerspruch gegen eine unzulässige mieterhöhung durchgekommen – er stand nämlich plötzlich vor der tür, drohte & ich stand im bademantel und völlig unvorbereitet in denkbar schlechter position da.
maBelle ist der typ sowieso völlig unangenehm & das wäre doch ‘ne chance, diesmal eine wirklich passende wohnung (sprich: mit badewanne, balkon und vernünftig durch 2 personen teilbar) zu finden.
auch wenn ich nie wieder umziehen wollte: ich treibe mich also seit geraumer zeit auf immobilien-seiten herum. neben der panik vor dem streß, den so ein umzug mit sich bringt, dort dann die panik: etwas bezahlbares passendes gibt es gar nicht mehr! wenns paßt, isses zu teuer, wenn ich/wir es bezahlen können, paßt es nicht. aber gut, wir haben ja noch ein wenig zeit, also lassen wir es langsam angehen: noch können wir nach der “perfekten” bude suchen, wenn wir in zeitnot und/oder geldnot geraten, wird das alles schwieriger & wir landen wieder in so etwas wie dem hier: ‘jetzt laß ich mir doch von dem häßlichen badezimmer nicht diese schöne wohnung vermiesen?!’, dachte ich mir & daß so ein ‘französischer balkon’ auch keinen echten ersetzt, ging mir auch nicht gleich auf – aber nach einigen jahren hier muß es in der nächsten wohnung besser sein! (maBelle sagt ja zu dem bad, daß sie keine lust mehr habe, immer “wie ein crabb” da rein zugehen: es ist nur seitwärts zu betreten. nicht nur für dicke, auch für völlig normalbreite leute!)
also gestern die erste wohnungsbesichtigung gehabt. preis: so wie jetzt. quadratmeter: so wie jetzt. badewanne, 2 zimmer (jetzt: 4), küche nicht sichtbar & nicht beschrieben. die features: 2 balkone! und die wohnung im unteren geschoß (es gibt 2 in einem haus) hatte ziemlich ungemachte wände – es wurde ein zuschuß zur renovierung in aussicht gestellt. auf so ungemachte wände bin ich ziemlich scharf – ich habe sogar schon literatur zu rate gezogen, wie ich sowas künstlich selbst an die wand malen kann, hatte also den plan, statt des renovierungszuschusses eine ausreichende mietfreie zeit rauszuschlagen, damit wir so langsam umziehen können, wie ich nu mal langsam bin & nur eine wand in meinem zimmer türkis-grün zu streichen & die anderen so en nature zu lassen…
besichtigungstermin: nur donnerstag 15:00 uhr. wie leute, die arbeiten, das schaffen sollen? und gegen die sogenannten “Hartz-IV-empfänger” hatte sogar dieser hausmeister was, wie sich im gespräch rausstellte. der war aber auch erstmal gleich nicht da, nur eine andere interessentin. nach einem viertelstündchen hab ich ihn mal angerufen & der meinte glatt, daß er das heute nicht mehr schaffe. täte ihm leid, aber er habe ja keine rückrufnummer gehabt. (wieso, ich hab den immer nur auf’m händi angerufen, das speichert ja wohl die nummern?) nachdem ich mich selbst als ratlos hingestellt habe & sagte, daß da zwei interessentenparteien warten, meinte er, er käme in einer halben stunde… nach 1 1/4 stunden kam er!
mit wohnungsinteressenten kamma wohl genauso umspringen wie mit patientinnen oder arbeitslosen?
die zeit hat aber ausgereicht, um mir die gegend gründlich zu verleiden: 2 große 4-spurige straßen kreuzen da & werden auch viel befahren. ich selbst kannte die kreuzung von autofahrten durch Berlin: ein knotenpunkt! also laut! und häßlich noch dazu: wohin du auch guckst: häßlichkeit. ich sagte also schon vorher: die bude muß der absolute hit sein, ansonsten kann ich mit der umgebung & dem lärm echt nicht! eine chance wäre noch gewesen, daß eins der zimmer in eine seitenstraße abgehen würde, wo tatsächlich sogar bäume stehen. war aber nicht so.
die wohnung (die untere, mit den ungemachten wänden) war klasse! dolles treppenhaus, schöner stuck an der decke, das parkett noch aus der zeit des hausbaus (gründerzeit, würde ich sagen), in einem zimmer noch ein zauberhafter alter kachelofen in ecru mit goldenen verzierungen. ein zimmer größer, das andere mit besagtem ofen und balkon. bad klein, aber mit wanne. küche so groß, daß sogar eine kleine sitzecke platz drinnen gefunden hätte, eine kammer an der seite (damit das bad licht bekommt) und von der küche ab der 2. balkon. allerdings insgesamt so klein, daß ich mich echt frage, ob sich mein derzeitiger vermieter, bei dem wir auch auf ungefähr 90-100 quadratmetern hausen, derartig zu unseren gunsten vermessen hat, oder ob diese wohnung einfach ungünstig geschnitten war? aber das AUS für die wohnung ist die umgebung: sowie ein fenster oder ein balkontür auf war oder du gar auf den balkon trittst: lärm! die aussicht auf allen seiten: die häßlichste straßenkreuzung von ganz Berlin samt einem neuen schuh-center (dessen wirtschaftlicher aspekt sich mir auch nicht so ganz erschließt, wer soll da, bitte, schuhe kaufen wollen?). und auf dieser kreuzung (zweier vierspuriger & einer zweispurigen straße, wie gesagt), ist auch ordentlich verkehr. und ich weiß, daß die auch früh um 6 hupen und daß laster auch durchaus nachts fahren. maBelle führte als argument ein, daß das abends da ruhiger wäre. aber ich schaffe mir doch nicht 2 balkone an, auf denen ich nur nachts sitzen kann, wo ich keine wäsche aufhängen kann, und wo ich dem basilikum & den tomaten nicht über den weg traue?
und es wäre eine eindeutige räumliche verschlechterung gewesen: von 4 zimmern (die so auch nicht gut teilbar sind & deshalb schlecht von uns genutzt werden) auf 2 zimmer. solange wir noch zeit haben, träume ich weiter: von einer 4-zimmer-wohnung.
das war so schön, als Mrs. Atlantis & ich beschlossen hatten, nach Berlin zu ziehen, wollte ich ihr irgendwie vorsichtig eröffnen, daß ich mir das nicht so vorstelle, daß wir da so wie ein pärchen wohnen: schlafzimmer, wohnzimmer, (arbeitszimmer vielleicht noch,) küche, bad; sondern daß ich gerne für mich 2 zimmer… *rumdrucks* und *umständlichwerd* – und es war ein so befreiendes gefühl, als sie gleich sagte: ja natürlich brauchen wir 4 zimmer! 2 für dich & 2 für mich!
maBelle ist da anders drauf – die würde vermutlich auch mit ihrer liebsten in einem erdloch leben können… nun, inzwischen hat sie mich als liebste, das is’ ein bissel was anderes & inzwischen nervt sie auch, daß noch immer mein schrank in ihrem zimmer steht (war vorher mein zimmer), und vielleicht wird uns bei dieser gemeinsamen wohnungssuche auch ein wenig klarer, wie unsere freiheitsgelüste (vorrangig mein part) und zusammensein-wünsche miteinander umgehen. ich wünsche mir öfter mal, allein sein zu können. ist absolut nicht maBelle’s ding. da könne sie auch gleich single sein (so in etwa). meine idee, als sie nach Berlin kam, daß wir in zwei wohnungen leben könnten (allerdings in der nähe, fußläufig erreichbar oder etwa über einen flur oder einen hof), hielt sie für völlig abwegig. und ich gebe inzwischen zu, daß ich nicht nur aus wirtschaftlichen (und ökologischen) gründen ein zusammenleben für sinnvoll erachte (küche, waschmaschine & badezimmer sind einfach gut zu zweit oder zu mehreren benutzbar, wenn die ansprüche in etwa zusammenpassen – ich sag nur: zahnpastatube oder haare-im-abfluß)…
aber das war erst die erste wohnungsbesichtigung. vielleicht brauchen wir für sowas auch übung. ich weiß beispielsweise noch nicht, wie vermieterInnen auf gehaltsbescheinigungen von der rentenkasse reagieren.
aber mein plan, meine/unsere wunschliste für die zukünftige, ideale wohnung zu schreiben, zu veröffentlichen & vermietungsgesellschaften-, genossenschaften & -firmen persönlich zu geben, wird mir immer wichtiger: ich glaube, daß es das, was ich für uns suche, gar nicht auf immobilien-seiten auftaucht. (und maBelles wünsche? die sagt glatt ‘nein’, wenn es nicht paßt. doch echt, sowas kann sie!)