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seelenpfuscher?

in meiner bücher-kategorie ist aber auch lange nichts passiert, also los! gerade gelesen: “Die Seelenpfuscher | Pseudo-Therapien, die krank machen” von Heike Dierbach.

ausgesucht hatte ich es, weil ich einen abschnitt zu Bert Hellingers Familienstellen drin gesehen hatte, aber auch zu anderen psychotechniken, die mich durchaus schon mal gereizt haben, steht etwas drin. beispielsweise habe ich selbst die “Bestellungen beim Universum” und anderes von Bärbel Mohr begeistert gelesen, “The Secret” auch, wobei mir das schon von alleine ein ungutes gefühl gemacht hat. bei Bärbel Mohr war es vor allem auch die positive stimmung, in die sie mich als leserin versetzen konnte, ansteckender optimismus, auch das kann ja eine besserung der lebensqualität verursachen. ihre späteren werke habe ich nicht mehr so mitbekommen, wohl aber ihren tod fassungslos aufgenommen und war erstaunt über die bis hin zur boshaftigkeit reichenden reaktionen in der eso-szene.

“The Secret” ging mir wohl schon deswegen zuweit, weil es dich halt auch für unglück, krankheit und unfälle verantwortlich macht. ja, ich hab mir ab und an mal einen parkplatz gewünscht. aber beispielsweise nicht meine krankheit (Bärbel Mohr hat das vermutlich auch nicht getan) und den leuten an solcher stelle dann schuldgefühle einzureden halte ich für extrem verantwortungslos. “keine krankheit habe ihre ursache im stofflichen bereich” stimmt einfach nicht: wenn mir wer zuviel Belladonna ins essen mischt, dann kann ich sehr wohl nix dafür, wenn ich daran elendig verende! und wenn einer von den Secret-verfechtern etwa behauptet, hungernden kindern in Afrika müsse er nur mal “The Secret” beibringen (und dann könnten sie sich ihr essen auf den tisch wünschen oder wie?), dann ist das zynisch und schlicht bösartig (und ich wünsche mir den Knüppel-aus-dem-Sack, der ja zum Tischlein-deck-dich und zum Goldesel ebenso dazugehört)! (Seelenpfuscher, S. 103)

Heike Dierbach geht in dem buch auf folgende methoden oder techniken ein:

  • rebirthing
  • festhaltetherapie
    von dieser bösartigen methode hab ich ja noch nie gehört und wenn, wäre mir auch ohne diese lektüre das messer in der tasche aufgesprungen! derart gewalttätige ansinnen gehören doch bitteschön nicht zu den gutmenschen, für die sich esoterikerinnen an sich halten??! ich verstehe es nicht!
  • familienaufstellung nach Hellinger
  • The Secret
  • Hoffman-Quadrinity-Prozess
  • Reinkarnationstherapie
  • The Work nach Byron Katie Reid
  • Channeln / Engeltherapie
  • Fernheilung

jede dieser methoden oder techniken wird mit einem beispiel und einem möglichen sitzungs- oder prozessverlauf dargestellt, ursprung und methode erklärt, zum beispiel, daß beim familienstellen Virginia Satir die eigentliche ‘urheberin’ ist (die inzwischen vermutlich im grabe rotiert, die arme, angesichts dessen, was heute daraus entstanden ist!), dann wird das heilsversprechen ausgewertet, die ausbildung der praktizierenden oder lehrenden untersucht und kosten & dauer dargelegt. anschließend – schließlich soll das buch diese praktiken entlarven, beleuchtet die autorin das seelische risiko, wobei ich es angenehm finde, daß sie nie so reißerisch schreibt, als würde nun wirklich jede zweite, die bei so einem prozess mitmacht, anschließend in psychatrie, suizid oder psychose landen, sie achtet hingegen auch genau darauf, ob die patientinnen achtsam behandelt werden und bewertet beleidigung und beschimpfungen als das was sie sind und nicht als therapeutisch notwendig.

sie stellt die  möglichen seelisch-psychologischen erklärungen dar, wobei ich finde, daß sie den placebo-effekt zu sehr abwertet. sicherlich ist der wissenschaftlich einfach zu erklären, aber ich halte ihn auch für extrem wichtig, eben weil er die selbstheilungskräfte der patientinnen aktiviert und die sind m. e. weitaus höher zu bewerten, weil ich glaube, daß sie auch umgekehrt funktionieren: wenn ich nicht an die heilmethode glaube, dann können auch schulmedizinische oder wissenschaftlich bewiesene therapieversuche nicht nicht wirken!

wo es möglich oder angebracht ist, schreibt sie dann auch zu möglichen alternativen oder verwechselbaren therapien, so erklärt sie zum beispiel sehr klar, daß die “familienskulptur” (wie Satir das nannte) eine wirksame methode innerhalb einer therapie sein kann und macht deutlich, wie schwierig es inzwischen geworden ist, “gutes” systemisches aufstellen von “schlechtem” zu unterscheiden, schon deshalb, weil sich die familienaufsteller nach Hellinger zu gerne in die nähe der fundierten systemischen therapeuten setzen:
es gibt die SG (Systemische Gesellschaft)
und die DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie) und die Hellinger-basierten leute haben sich
unter dem kürzel DGfS (Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen) zusammengefunden – mir wird langsam klar, warum ich nie vermochte, die spreu vom weizen zu trennen… (und witzigerweise sind sie mit dem kürzel auch nicht mehr bei wikipedia vertreten. die website selbst heißt auch ‘familienstellen’… da haben wohl ein paar advokaten ein bissel personen in einem großen raum aufgestellt ;-) … oh, aber dabei sind sie noch mit anderen zusammengeraten: dasselbe kürzel wird von einer sprachwissenschaftlichen wie auch einer finanzplanungsinstitution verwendet. die ham also nur vergessen, diese abkürzung mal auf die höhere ordnung hin zu überprüfen *eg*)

hier erinnert Dierbach mehrfach auch andere stellen an ihre verantwortung, menschen und vor allem solche, die nach seelischer hilfe suchen und sich damit ganz offensichtlich in notlagen befinden durch amtliche stellen, institutionen oder ämter zu schützen: wieso können Hellinger-aufstellungen in volkshochschulen stattfinden, wieso stehen dessen bücher in bibliotheken (& uni-bibliotheken!) zwischen wissenschaftlich fundierten und nachgewiesen funktionierenden methoden (sie schlägt vor: parapsychologie ,-) ) und beschreibt, wie sich universitäten vereinnahmen lassen und ausgebildete psychologen und therapeuten allzufreiwillig in die nähe des Hellinger-familienstellen begeben, so daß der begriff a) inzwischen sozusagen völlig verbrannt ist für die familienskulptur nach Satir und ähnliche therapeutische ansätze, die ohne den zynismus und die aggression Hellingers arbeiten, b) für ratsuchende oder gar hilfebedürftige ein unterschied kaum noch auszumachen ist und c) die nähe zu psychotherapie und -therapeuten den gesamten berufstand und die psychotherapie an sich ernstlich in verruf bringen.

nachdem ich das alles geradezu verschlungen hatte, war ich erfreut, noch mehr informationen in dem buch vorzufinden, und zwar: eine beschreibung von psychotherapie und ihren formen und methoden mitsamt einer ausführlichen erläuterung, wie die wirksamkeit solcher methoden schulmedizinisch und wissenschaftlich nachgewiesen wird und und wie die institutionen arbeiten, die solche methoden (zum beispiel für krankenkassen) zulassen oder halt nicht. dabei ist mir beispielsweise klar geworden, daß es nicht machbar ist, innerhalb von 2, 3 jahren die heilversprechen von verfahren wie Reiki, Feldenkrais oder Wassershiatsu (heilarten, von denen ich was halte) so zu beweisen, daß sie auf ganze bevölkerungen und auf tausende von verschiedenen heilerinnen angewandt werden können. was schlicht sein muß, wenn ein system wie das der krankenkassen dafür bezahlen soll. was mir dabei aber fehlte, waren hinweise darauf, daß “recht hat, was heilt” und daß die nicht-zulassung nicht gleichbedeutend ist mit nicht-wirksamkeit: akupunktur und akupressur sind inzwischen (zumindest teilweise?) zugelassen, was den tausenden von leuten, die sie bis dahin auf eigene verantwortung anwenden haben lassen und selbst bezahlen mußten, recht gibt. und so erklärt sie auch, daß diese langsame und offensichtlich schwerfällige schulmedizin durchaus auch für neuerungen offen ist: in diesem buch wurde mir (endlich, wird maBelle sagen) erklärt, wie EMDR funktioniert und daß es signifikant wirksam ist. (und was signifikant ist & warum es wichtig ist.) [erklärung: maBelle möchte schon lange, daß ich EMDR mache und meinte als erstes, daß das eben “schnell helfen würde”. und ich bin halt mißtrauisch gegenüber allem, was schnell helfen soll, was mir die lektüre dieses buches nur wieder bestätigt. nichtsdestotrotz halte ich mich noch immer für die falsche patientin für EMDR: es ist für extreme traumata und besonders bei schlimmen flash-backs. aber ich habe keine flashbacks urplötzlich und scheinbar ohne anlaß mitten im leben. aber ich denke jetzt noch ein wenig mehr über diese therapiemethode nach…]

meine kritik: die kapitel channeln/engeltherapie & fernheilung hätten mehr ausdifferenziert werden müssen: nicht, daß ich mich in der esoterik-szene super gut auskenne, ich habe solcherlei kurse, seminare oder begegnungen nicht bis kaum mitgemacht (laß mich zählen… 1 kurs in den letzten 10 jahren und zwei, drei Feldenkrais-wochenenden), aber ich lese oft und gerne in den heftchen, in den kostenlosen, mein connection-abo ist zu lange her… (die connection ist aber das einzige heft, daß ich durchweg gut finde, eben weil es die eigenverantwortung ins zentrum setzt.) und ich denke, daß durchaus auch andere wesenheite als nur engel ‘gechannelt’ werden. engel sitzen für mich ganz nah oder im christlichen glauben & denken. und daher hätte über engel auch im christlichen kontext geschrieben werden müssen. und dabei durchaus auch beleuchtet werden können, inwieweit oder -fern die kirchen oder der christliche glaube am heilungsprozess mitarbeiten können oder nicht. ich weiß, daß es christliche richtungen gibt, die ihren leuten arztbesuche, chemotherapie oder blutübertragung verbieten. das könnten sie nicht tun, gäben sie nicht auch ein alternatives heilversprechen ab. aber gut, vielleicht sind die kirchenaustritte und kirchenflucht ein deutliches zeichen dafür, daß die meisten teile der bevölkerung davor nicht mehr gewarnt werden müssen.
aber ich bin mir sicher, daß auch andere wesenheiten “gechannelt” werden. die technik channeling nur mit den relativ harmlosen wenn nicht sogar gutartigen engeln in verbindung zu setzen, halte ich für unüberlegt.
im kapitel “fernheilung” taucht auch Reiki auf. ich weiß, daß leute das durchaus als fernheilung anbieten und anwenden. und obwohl ich 2 frauen kenne, die es auch als fernheilung praktizieren, muß ich zugeben, daß ich nicht an die fernheilung glaube. wohl aber an Reiki, weil ich das einfach schon erlebt habe. und ich habe es als positiv und heilsam erlebt. und es hat gewirkt! und an der stelle ist mir Dierbach “zu schulmedizinisch” und “auf einem auge blind”: sie erwähnt Reiki nur im fernheilungsprozess und degradiert damit das gesamte Reiki als unwirksam und hokus-pokus, womit leute nur geld schneide(r)n wollen. dabei könnte sie an der stelle, wo sie schon beschrieben hat, daß der placebo-effekt durchaus helfen kann und daß es an sich gut sein kann, selbstheilungskräfte zu aktivieren und daß die schulmedizin zu wenig zeit für ihre patienten hat, doch durchaus beschreiben, daß die hinwendung zur patientin hilfreich und heilsam sein kann, sei es durch zuhören oder halt handauflegen.

nein, das war nicht die absicht des buches, stimmt schon, sie wollte krank-machende therapieen aufdecken. aber an der stelle hat sie vergessen zu erwähnen, daß auch berührungen heilen. es ist nur so unheimlich schwer, von ärztlicher seite noch ‘ne massage verschrieben zu bekommen… oder daß dich überhaupt mal wer anfaßt…
und es ist unheimlich schwer, patientinnen an ihre eigenverantwortung zu erinnern. was Dierbach durchaus die ganze zeit macht & versucht! du bist für deinen körper & deine seele in erster linie selbst verantwortlich. und wenn du dafür hilfe brauchst (arzt oder heilerin), dann sollten die gefälligst gut sein. das buch beschreibt, daß es leute gibt, die dafür nicht taugen. daß die, die laut system dazu taugen sollten, auch nicht so gut sind, sein können oder sein wollen, wie das system sich das mal gedacht hat… das paßt vermutlich auch nicht in zwei buchdeckel. aber nicht-schulmedizinisch ist auch keine garantie für qualtität: im gegenteil: das buch zeigt die qualitätsprüfungskriterien für die schulmedizin. und es stärkt die eigenverantwortung. und das ist gut!
verschenkempfehlung? unbedingt! zusammen mit einer kritik an schulmedizin & gesundheitswesen!

alles wird gut

ich habe mir eine werkstatt angesehen… im geschützten raum kreativ arbeiten beziehungsweise das arbeiten wieder lernen… und nachdem ich gestern noch rumrätselte – geschützter rahmen, brauche ich das denn überhaupt, isses jetzt schon soweit mit mir, ja? und wenn,dann wiederum die entscheidung, was denn nun, textiles, digitales (doch nochmal probieren?) oder in einer anderen werkstatt, die ich mir noch angucken möchte, keramik oder sogar eine theaterwerkstatt (!!) – war ich dann heute, nachdem ich mich dorthin begeben hatte, ersteinmal so fertig, daß ich fast meinen eigenen nachnamen nicht mehr hätte buchstabieren können…
ein verwunschener, zugewachsener hofeingang, ein großer hof mit lauter bunten blumen und tomaten… und der nette mensch, der mich dort aber zu einem gespräch eingeladen hatte, war mir sehr angenehm und auch die rahmenbedingungen, die er mir erzählte, klingen sehr sehr gut in meinen ohren! wegen meiner entscheidungsschwierigkeiten könnte ich ein praktikum, daß mensch dort üblicherweise vorher verbringen kann, auch aufteilen, um mir die beiden werkstätten: textil und digital ansehen zu können! aber dann führte er mich herum und wir kamen zuerst in die textil-werkstatt: ein heller großer saal mit schönen arbeitstischen drin, ein regal voll mit stoffen, lederresten, zig saugute industrienähmaschinen, ein regal mit rohwolle – die farben! die farben sag ich!! – und wandbehänge, taschen, täschchen, wärmflaschenhülsen, hausschuhe (mit katzen und monden drauf!). ein paar frauen, die sanft ihre seifigen hände über große filzflächen kreisen ließen, einige hinter nähmaschinen, am schwatzen, am fäden-und-fitzelchen-auffegen und eine junge, offen und frei wirkende betreuerin, die sich hier und da dazuhockte und fachlich wie menschlich gut auf mich wirkte – kurz gesagt, ich wollte sofort gleich dort einziehen!
dann kam aber noch die pc-werkstatt. webdesign ist jetzt nicht so ihrs, sagte mein gesprächspartner noch, aber als ich dem werkstatt-leiter ein paar stichworte hinwarf, leuchteten dessen augen sofort auf und er wollte mich gleich da behalten! das gefühl hatte ich ja lange nicht mehr, daß jemand mich fachlich gut findet und gerne mit mir zusammenarbeiten möchte – das hat sich saugut angefühlt!
kurzum: ich werde dort also demnächst ein praktikum machen (das unabhängig ist von arbeitsamt, beantragung und anderen wegen, die die milch noch gehen muß, ehe es butter wird) und ich freue mich jetzt schon mächtig drauf!
beschwingt machte ich mich also auf einen rückweg (die u-bahn-station wird gerade nur in einer richtung bedient und ich mochte mir ohnehin gern die gegend anschauen) und fand am fluß eine riesige, wunderschöne weide. mächtiger stamm der sich fast symmetrisch gabelt und eine riesige grüne kuppel aufspannt, die zweige hängen bis ins wasser rein. was für ein baum! (ich hatte in Landshut “meine” weide ganz in der nähe und auch am fluß und hab bis jetzt keinen ersatz für sie finden können.) und da stand sie, es roch zwar nach brackwasser und ich bekam auch gleich schiß, daß ein hund kommen könnte, still ist es da auch nicht gerade, aber es sind geräusche von schiffen und es ist – mitten in Berlin!
dann trat ich auch noch in ein kleines antiquariat und die hatten da die “Enzyklopädie der weiblichen Handarbeiten” von Thérese de Dillmont, die ich nur als nachdruck habe. mein nachdruck ist mein ganzer stolz und war mir ein sehr wertvolles weihnachtsgeschenk einer ehemaligen liebe meines lebens, aber diese original-ausgabe war ausgezeichnet erhalten, leineneinband mit goldschnitt und vor allem: farbigen tafeln!!!
genug der guten dinge, mir gingen langsam die ausrufezeichen aus, 80 sollte dieses schmuckstück kosten, aber ich hatte nicht mal mehr genügend für die rückfahrt dabei und machte mich auf die suche nach einer geldmaschine… blöderweise meinte die, sie könne mir heute nichts mehr auszahlen. meine geheimnummer akzeptierte sie und meinen kontostand sagen konnte sie auch. ich gebe zu, daß ich, die ich die scheckkarte immer brav im portemonnaie aufbewahre, sie jüngst mal eine nacht lang in der hosentasche durch Berlin trug und sie seitdem ziemlich… sagen wir, blä@!*ärch aussah, aber ich hab damit doch gestern noch was in einer kaufhalle bezahlt? (wo buchen die jetzt das ab?) und wieso kann die karte mich identifizieren und mir den kontostand sagen? der war zwar im roten bereich, aber in einem, in dem ich darf (und außerdem ist es da bestimmt seit 5 jahren schon rot)…
also den stadtplan gezückt und erstmal nachgesehen, wo ich mich überhaupt befinde und mich dann auf den weg zu Antje Atlantis gemacht, die gerade spätdienst tat (und immer noch tut) und ungefähr 3 kilometer dahin getrabt. die liebe hat mich erst einmal mit einem kaffee gestärkt, mir bahngeld gegeben und die scheckkarte mit desinfektionsmittel sauber bekommen! ich hab es natürlich sofort nochmal probiert bei der sparkasse und hätte so gerne geschrieben, daß die beste krankenschwester der welt sogar zahlungsmittel zu heilen imstande ist (und geld bekommen und ihr auf dem rückweg knupperkirschen gekauft), aber ich kann nur behaupten: sie ist die beste, ich muß jetzt zusehen, daß ich das geldproblem (ist das jetzt ein technisches? oder ein finanzielles? oder was ist kaputt?) gelöst kriege und ich bin glücklich über den ganzen rest des tages und muß jetzt gleichmal sämtliche filz-und-so-links gucken, nicht, daß ich sofort das filzen anfange…

der herr Ungerer

ich sehe grad eine sendung über den wunderbaren Tomi Ungerer und er zeigt tatsächlich diesen zigarettenscheißenden esel hervor und sagt “das ist kunst! das ist kunst…”

kann mir wer ein gutes buch über ihn empfehlen? möglichst mit vielen bildern (aller arten! und viel o-tönen…?

ausgepottert

nachdem ich neulich erst mitbekam, als ich mich mit LotteZwo über den neuesten Harry Potter unterhielt, daß ich den vorletzten noch gar nicht gelesen hatte – im zuge des bücher-durch-die-gesamte-familie-durchreichen bin ich wohl übergangen worden, hab ich “Harry Potter und der Halbblutprinz” grad ausgelesen und bin schwer getroffen, obwohl mir Lotte in der nämlichen diskussion schon gesagt hatte, wer am ende des buches stirbt… irgendwie hat mich dieser band in einer merkwürdigen stimmung zurückgelassen. ich glaub, ich war lange nicht so fassungslos über den tod einer literarischen figur…

Mr. Hero

Louffi von The Wolfmother Wallpaper hatte in meinem Amazon-wunschzettel gelesen, daß ich Neil Gaimann mag und mir dann nach einiger zeit vier heftchen von ihm geschickt. glücklicherweise hatte sie ‘Bitte nicht knicken’ auf den umschlag geschrieben. erwähnte ich, wie schick die post hier ankommt? wir haben keinen briefkasten. die (arme) briefträgerin muß das gesamte treppenhaus rauf und wieder runter und wirft in die briefschlitze in der wohnungstür die post ein. das heißt, hier macht es am vormittag einen mächtigen rums und dann haste deine briefe im flur liegen – zu schön! ich fühle mich sehr königlich mit dieser art der zustellung. aber ich schweife ab! ich bemerkte Louffis post jedenfalls erst, als ich die wohnung verlies, weil der umschlag ungeknickt und ordentlich an der tür lehnte.
noch ein geschenk! das schrie (wie fast alles, was gelesen oder angeguckt werden kann) nach zelebrieren: als ich wieder nach hause kam, kochte ich mir einen frischen kaffee und setzte mich mit dem kaffee, zigaretten und dem umschlag in mein französisches zimmer. ersteinmal die werbung von anderen lesen… es ein wenig hinauszögern. ich weiß, wie ich mit comics bin, da gibt es nichts hinauszuzögern mehr. und dann: aufmachen! angucken! oh!

ich gebe zu, wenn ich “Neil Gaimann” höre, nur an die Sandman-geschichten zu denken. ja, ich weiß, der hat noch mehr gemacht. aber ich fahre halt voll auf die gütigen und konsorten ab. da war es dann mal schön, etwas anderes von ihm zwischen die finger zu bekommen: Mr. Hero, The Newmatic Man.es geht um einen (?) mechanischen menschen oder intelligenten roboter (nur intelligent? gefühle hat der auch?!) aus den 20-er oder 30-er jahren, der heute reaktiviert wird. durchweg schön gezeichnet (es gibt bei sandmans ein paar zeichner, die kann ich nicht ab. hier gefällt mir durchweg alles) und – um mich zu schulen vermutlich – auf englisch.

das entsetzen kam am ende des vierten heftchens: es gibt noch mehr folgen! so hing ich dann an der klippe, beschloß, mir sofort die nächsten folgen zu organisieren und freute mich mächtig, was für ein feines geschenk mir die Louffi da hat zukommen lassen. vielen vielen dank!

ich würde dir auch gerne was gutes tun, Louffi, gerade jetzt. aber alles was mir einfällt, sind lila bonbons, von denen ich nicht weiß, wo ich die hernehmen soll.

weiter mit geschenken

inzwischen hat der beste freund von Antje Atlantis uns (und vor allem mir) den gefallen getan und hat uns brot uns salz zum einzug überreicht. mir war es völlig entfallen, erst Erika von Gauzibauz brachte mich in den kommentaren zur fitnessparty drauf. das haben wir nun auch schon verspeist, aber zu allererst begegnete mir anhand dieses brotes eine schöne weisheit, die auf etliche fragen zu ritualen gültig ist: Atlantis hatte nachtdienst und ich bereitete mit zwei freundinnen, die zu besuch waren, abendbrot vor und wollte gerne dieses einzugsritualbrot dazu anbieten, fragte mich aber, ob das denn nun ginge, ob nicht Antje und ich zuallererst von diesem brot essen müßten (mit dem salz) und es danach erst für den ‘normalen’ hausgebrauch zugelassen sei. die feine antwort einer klugen frau: wenn du das jetzt nicht genau weißt, dann weiß auch das universum, daß du es nicht weißt und dann ist es ok. eine schöne lockere haltung, die sicherlich an mancher stelle verkrampfungen im magischen bereich zu lösen imstande ist ,-)

einzugspäckchen

was ich eigentlich erzählen wollte: meine schwester, bei der ich (aufgrund naher verwandtschaft? oder wegen des lebenslangen kennens?) ich manchmal vergesse, was für eine tolle frau das ist, hat mir oder uns ein einzugspäckchen geschickt! enthalten: die postkarte mit dieser jugendstil-tänzerin drauf und dem wunsch für einen “fröhlich-beschwingten Start in Berlin wie umseitige Dame…”, ein osterei, gestickt von meiner paten(t)nichte, schokoladeneier, roiboos-tee (unser beider lieblingstee), eine marmelade, ein panty von meiner mutter, die es zu ostern liebt, diese teile in die bäume und büsche zu hängen und uns erwachsene weiber damit immer noch zu erzürnten “aber-mutti!”-schreien bringt und wir die dinger hurtig abpflücken und dieses buch:

Anna Gavalda, Zusammen ist man weniger alleinAnna Gavalda, “Zusammen ist man weniger allein”. das hat wohl zuerst meiner Mutter sehr gut gefallen, dann hat es meine schwester genossen und die hat dabei wohl oft an mich gedacht. und nun haben Atlantis und ich es verschlungen: eine sehr schöne geschichte und eine sehr schöne sprache. völlig verschiedene menschen mit unterschiedlichen wunden und narben treffen aufeinander, wie der zuFall so spielt und wachsen zusammen. Camille ist eine künstlerin, die nicht mehr malt und dafür mit einer gehörigen portion stoischem überlebenswillen als putzfrau arbeitet und sich gegen die sprüche wegen ihrer magersucht abzuschotten versucht. Philibert, der intellektuelle adlige, der stottert und nicht in diese zeit zu passen scheint. Franck, ein koch und sonst ein richtiger macho und intellektuell weder interessiert noch beschlagen, der seine großmutter Paulette liebt, die nicht ins altersheim will. und dazu kommt eine riesige wohnung voll altem adel, staub, mobiliar und bildern, die geschichten erzählen, die für diese ganzen existenzen raum und heilung darstellt. an sich sind die gestalten schon gescheitert, aber eigentlich dann doch nicht: jede figur für sich ist ein schönes bild und zusammen sind sie eine schöne geschichte, die mut macht zum leben und vor allem dazu, sich selbst zu leben und sich weder für andere zu verbiegen, noch, sich von der eigenen vergangenheit verbiegen und verfälschen zu lassen.

ich empfehle es wärmstens weiter und werde mir mal alles von der autorin auf meinen wunschzettel kleben.

Zusammen ist man weniger allein” von Anna Gavalda
Frankfurt 2006
ISBN: 3596173035

Wenn Schleier fallen

“Das ist der Raum mit der Wolfmutter Tapete…” Ich habe mir bisher von keinem Buch so sehr gewünscht, daß mich seine Weisheit beeinflussen möge & sein freier Geist Spuren in meinem Leben hinterlassen solle. Berührt hat es mich schon längst. Wenn es wirklich um meine Entscheidung zwischen Krankheit und Kreativität ging, wenn diese Tage wirklich meine Entscheidung für das Leben waren, so war das heilsame Wochenende eingebettet in dieses Buch.

“Ein Jude und ein Araber eröffnen in New York…” Ha! Als ob es darum ginge! Gestandenermaßen ist mir nicht ganz klar, warum ich nach dieser Beschreibung von The Wolfmother Wallpaper den Roman auf meine Wunschliste gesetzt habe & vielleicht war es eine ebensolche Bauchentscheidung meiner Schwester, mir das Buch zu schenken. Ohne irgendwelche Erwartungen habe ich mich in die Geschichte begeben, von der geschrieben wird, es ginge um den Nahen Osten. Da ich da zuwenig Durchblick habe, um nicht auch auf das Stichwort Naher Osten “Teppiche!” zu denken, bin ich nun umso erstaunter, daß mir nun das Nah-Ost-Problem zwar nicht nachvollziehbarer, wohl aber etwas verständlicher geworden ist. Dafür herrscht in eine Klarheit in meinem Kopf und in meinem Herzen, als hätte ich den Tanz der Sieben Schleier persönlich miterlebt.

“Ein Araber und ein Jude…” Ha! Darum geht es auch, aber in Wahrheit geht es um wesentlich mehr: Es geht um eine Frau, einen Mann & die Liebe, es geht um die Entscheidung zum Künstlersein, um die Freiheit im Herzen, Religion & Politik, sexuelle Kraft und die Energie der Begierde, Ekstase, Zeit und Langsamkeit, Erkennen, Bewußtsein und das Universum mit den belebten und unbelebten Wesen darin. Das ist Spiritualität, oder? Völlig erstaunt registrierte ich nach einigen Seiten: es geht um die Große Göttin. Um “… die Verehrung Astartes. Weil diese Verehrung ansteckend war (denn sie ist ein instinktiver menschlicher Reflex), weil sie den harten Griff des Jahwe-Kultes schwächte, wurde Jezabel verleumdet, verfolgt und schließlich ermordet…” (S. 70) Die Krämpfe & Kämpfe des Morgen- wie auch des Abendlandes mit all den Religionen, Institutionalisierungen, Politik und Geld werden immer absurder im Angesicht von gesundem Menschenverstand, einer magischen Sprache & Botschaften, die die Klugheit und Dummheit von Herzen, Dingen & dem All in sich bergen.

Diese Magie der Sprache läßt dich tief Atem holen, du willst den Sätzen nachfühlen & sie auf der Zunge schmecken. Manche Sätze wollte ich am liebsten nochmal zum ersten Mal lesen, um den Schauder oder auch Schock noch einmal zu erleben. Ganz langsam wollt ich’s lesen, um nur ja keins dieser Wunder zu verpassen oder gar zu zertreten.

Und das alles so schnell oder langsam, schicksalhaft wie das Leben selbst. Gut, du fängst halt einen Roman an; das Amerika dieser Tage, ein frischvermähltes Paar auf der Reise in einem unmöglichen Auto… Und ein paar Seufzer weiter, nur einen Lidschlag entfernt läßt Tom Robbins plötzlich ein paar Figuren auftauchen, die in Alice’ Wunderland sich nicht phantastischer hätten ausnehmen können.

Ich habe mir nun eine Dose Bohne aufgemacht, die seit Jahren in meiner Speisekammer stand & sie sehr genau angesehen. Ich kann mich nähren & durch Erfahrungen wie dieses Buch auch heilen. Das Leben ist im Fluß und ich bin (wieder) mittendrin.

Liebe Schwester, frag mich nicht nach Bewerbungen oder einer Wohnung in Berlin. Gib mir nicht ungefragte Ratschläge wie den, ich solle Therapie machen. Dazu bist du zu wenig kompetent, was mein Leben & meine Seelenzustände angeht. Mit diesem Buch hast du mir geschenkt, was mit allem Sorgen und Gedankenmachen niemals zustande kommen kann. Wenn ich gestern noch wütend über dieses Telefonat war, so bin ich jetzt ganz weit & dankbar: Tom Robbins, daß er dieses Buch geschrieben hat, Louffi, daß sie mir davon erzählte & dir, daß du es mir geschenkt hast.

“Dann würden sie erkennen, daß ihre große Aufgabe im Leben nichts mit einem Kampf zwischen Klassen, Rassen, Nationen oder Ideologien zu tun hatte, sondern eher darin bestand, daß man ganz individuell versuchte, seine Seele zu öffnen, sein Bewußtsein zu erweitern und seine Gedanken zu beflügeln…” (S. 538)

“Sollte sie sich wieder als Künstlerin betrachten? Konnte man sich aussuchen, ob man Künstler war oder nicht? Waren in der Kindheit erst bestimmte Einflüsse in Gang gesetzt, dann war man Künstler oder nicht, und wenn man einer war, dann konnte man sich aussuchen, ob man ausstellen konnte oder nicht, ja sogar, ob man malen wollte oder nicht. Oder anders gesagt: Man konnte sich einer Karriere als Künstler widersetzen, ein Leben als Künstler ablehnen und trotzdem Künstler sein. Wirklich? Oder war das nur Semantik? … Talent war nur die Grundlage. Um Künstler zu sein, mußte man auch Nerven haben. Und um die Nerven zu behalten, brauchte man Ansporn. Offenbar hatte sie ihren Antrieb verloren. Doch wenn sie ihn wirklich verloren hatte, warum quälte sie sich dann so? … So ging es Nacht für Nacht, bis sie schließlich verzweifelt nach dem Vibrator griff, um sich ein wenig abzulenken…” (S. 353)

Tom Robbins, Salomes Siebter Schleier
Hamburg, 2006
ISBN 3 499 13497 7

kopftuch und fremde bräute in Deutschland

wo ich schon mal beim bloggen bin, kann ich auch gleich weitermachen: seit tagen will ich über dieses buch schreiben: “Die fremde Braut” von Necla Kelek.

von meiner mutter zu weihnachten bekommen (wieder so eine geschenkeaufarbeitung!), bedachte ich es erstmal mit einem blick, der -.- sehr nahe kommt. was interessieren mich dir türkinnen! ich hab es dann bei unserer türkei-reise dabei gehabt und konnte es stellenweise nicht weglegen, so spannend sind die geschichten darin.

kopftuchdiskussion, zwangsehen, integration “unserer türkischen mitbürgerinnen” – es kam mir spanisch vor, wie eine Marieluise Beck von den grünen, eine so schöne frau, die einen so klugen eindruck macht, das kopftuch so vehement als zeichen der privaten religion verteidigen konnte. dagegen dann die “Emma”, die seit Annemarie Schimmel regelmäßig den islamischen Fundamentalismus aufs tapet bringt und dabei sich vorwürfen von intoleranz und fremdenfeindlichkeit aussetzt – wo sollte ich meine stellung beziehen? ich weiß, daß uns etliches, was in anderen ländern vorgeht, schlicht nichts angeht und wir uns, gerade wir mit der missionarischen vergangenheit der christenheit, raushalten sollten aus religiösen und anderen innenpolitischen oder familiären dingen in anderen ländern. ach, wie gerne wäre ich manchmal die schweiz. dieses nicht-einmischen hört bei mir spätestens bei klitorisverstümmelung, steinigung von sogenannten ehebrecherinnen und verfolgung von hexen (in Afrika, ja, gibt es noch bzw. wieder!) auf. da ist dann meine toleranzgrenze überschritten.

was aber ist mit den frauen und männern, die hier in meinem land leben? geht mich das kopftuch etwas an, geht es mich etwas an, wie türkinnen sich kennenlernen, heiraten und ihre kinder aufziehen?

dieses buch bezieht hier klar stellung und ich muß mir tatsächlich von einer in Deutschland lebenden türkin sagen lassen, wie es um meine toleranz und mein demokratieverständnis aussieht: das kopftuch ist kein religiöses zeichen. noch vor ein paar jahren haben die türkinnen weder in Deutschland noch in Istanbul oder so kopftuch getragen. es ist ein zeichen ihres rückzuges in eine religion, deren hauptschrift, die worte des propheten, noch nicht mal mehr übersetzt und damit also von leuten, die kein arabisch können, nicht selbst gelesen werden kann. sie sind in einem nirgendwo gelandet: in der türkei sind sie die “deutschländer” und hier sind sie türken, zuhause sind sie nirgendwo. und während politik wie auch sozialarbeiter jahrelang glaubten, das problem mit der integration erledige sich nach spätestens einer generation von selbst, weil die kinder der zugewanderten hier in Deutschland aufwachsen und automatisch integriert würden, hat die zeit gezeigt, daß dem nicht so ist: immer wieder werden neue, junge türkinnen aus der türkei nach Deutschland geholt, können kein wort deutsch, haben nichts und niemanden außer ihrer neuen familie (die des ehemannes) und versauern hier hinter den gardinen und ihren schleiern und kopftüchern mit derart rückschrittlichen auffassungen, daß uns eigentlich angst und bange machen sollte – schon allein wegen der großen zahl von muslimen, die hier mitten unter uns leben und deren ansichten uns weder interessieren noch tangieren.

alleine, daß es zwangsehen in Deutschland gibt, verstößt gegen das grundgesetz. daß allerdings an Berliner grundschulen im islamischen religionsunterricht folgendes gelehrt werden darf: “Im Namen Allahs. Es gibt zwei Arten von Menschen, die einen sind unsere Geschwister im Glauben, mit den anderen sind wir durch das Mensch-Sein verbunden.” – das sollte allen, denen die demokratie wichtig ist, die ohren klingeln lassen. Kelek schreibt dazu: “Das Gundgesetz kennt keine ‘zwei Arten von Menschen’, im Gegenteil: Als die Deutschen ihre Verfassung formulierten, saß ihnen noch die Erfahrung mit dem Nationalsozialismus im Nacken, der allerdings auch ‘zwei Arten von Menschen’ gekannt hatte. Wie kann es zu dieser – euphemistisch gesprochen – ‘Blauäugigkeit’ kommen, dass der Berliner Senat bereit ist, verfassungsfeindliche Materialien zu finanzieren, die dann auch noch an Grundschulen als Lehrmaterial eingesetzt werden dürfen?”

Kelek vermutet, daß der “Schleier”, mit dem wir deutschen speziell in diesem falle zu kämpfen haben, die panische angst ist, irgendwen, also auch die Islamisten, wegen ihrer religion, herkunft oder sonstwelcher andersartigkeit zu diskriminieren. lieber nähmen wir verletzungen der grundrechte in kauf. wir hätten ein besonderes schuldgefühl gegenüber Juden, Sinti, Roma und Homosexuellen, was uns “den klaren Blick auf die heutigen Realitäten von Unterdrückung und Ausgrenzung” verstelle.

ein kluges buch, das ich allen, die mit kopftuchtragenden kindern, bildung und integration der türkinnen in unsere gesellschaft zu tun haben, gerne ans kopfkissen legen würde.

zum schluß noch die geschichte des kopftuches, wie Necla Kelek sie erzählt: der prophet (der im übrigen auch ein klassischer göttinnen-mörder ist, wie sich an anderer stelle herausstellt), feierte hochzeit mit einer seiner frauen und wollte mit ihr gerne ungestört sein. allerdings wollten seine gäste nicht gehen. also hängte er einen vorhang, einen schleier zwischen sich und die braut und die partygäste und polterte herum, daß gäste bittschön eine party zu verlassen haben, wenn der gastgeber findet, daß sie vorbei sei und, falls das nicht ginge, der gastgeber eben seine frau hinter die schleier bringen möge um dort ungestört mit ihr zu sein.

so kam es zu dieser Sure, wonach heute wieder – und das ist, zumindest für die türkinnen, eine neue entwicklung – frauen unter kopftücher und raus aus dem gesellschaftlichen leben gedrängt werden. wegen dem mißlungen ende einer hochzeitsfeier von Mohammed!

ja, ich bin gegen kopftücher in schulen. so, wie ich auch gegen kreuze in schulen und anderen öffentlichen gebäuden bin. glauben und religion sind privatsache und haben in öffentlichen und staatlichen institutionen nichts zu suchen. und frauen gehören nicht verkauft, auch nicht als braut nach deutschland.

Necla Kelek: “Die fremde Braut”
München 2006,
ISBN: 3-442-15386-7

besprechung des buches bei deutschlandradio | kultur
“Zwangsehe & Ehrenmord in Deutschland – Muslimische Frauen fordern: Schluss mit Multikulti-Toleranz” – zu einer sendung bei 3sat